Matthias Lilienthal (Archivbild).
Foto: dpa/Peter Kneffel

MünchenZum Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal gab es für die Münchner Kammerspiele die wohl größte Bühne der Stadt: Im Münchner Olympiastadion zeigte das Ensemble am Sonnabend die Performance „Opening Ceremony“ von Toshiki Okada. Laut der Deutschen Presse-Agentur kreist das Stück um „ein globales Event“ – vielleicht die Olympischen Spiele in Tokio, die dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. Im Stadion pflegen Arbeiter den Rasen für das Ereignis, von dem aber keiner weiß, wann und ob es überhaupt kommt. Nur ein ominöser Super Mario, so wie der aus dem Videospiel, weiß vielleicht etwas. Und während alle warten, erobern Pflanzen, Vögel und Insekten das Stadion.

Parallelen zu realen Ereignissen und zu Corona gibt es einige. Auch die Theater waren wochenlang geschlossen, ohne Aussicht auf eine Eröffnung. Bitter für Lilienthal, der für das letzte Vierteljahr in München große Pläne hatte, die aber jäh durchkreuzt wurden.

Matthias Lilienthal war an der Volksbühne in Berlin und auch am HAU

Münchens Kulturreferent Anton Biebl erinnerte nun an den schwierigen Start, den Lilienthal in München hatte, weil sein Theater viele zunächst befremdete. Inzwischen genieße er aber die Liebe und Anerkennung des Publikums. Lilienthal habe sich auch nicht angepasst. „Du hat uns ein Theater geschenkt, das es hier noch nie gegeben hat“, sagte Biebl.

Lilienthal wurde 1959 in Berlin geboren. Mitte der 1980er-Jahre arbeitete er zunächst als freier Journalist, später war er unter anderem Chefdramaturg und stellvertretender Intendant an der Volksbühne in Berlin sowie künstlerischer Leiter vom HAU. Nach einigen weiteren Stationen wechselte er 2015 nach München, wo er keine Verlängerung seines Vertrages anstrebte.