Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) verabschiedet sich abends im Restaurant von seinen Kollegen. Der Rechtsmediziner will in Holland ein Buch über den Tod schreiben. Doch er macht schneller mit dem Sterben Bekanntschaft als erwartet. Bei einem Autounfall überschlägt er sich nachts. Als er aus dem Auto klettert und den Rettungssanitätern entgegenwankt, geschieht etwas Merkwürdiges: Alle sehen an ihm vorbei und holen den echten, schwer verletzten Boerne aus dem Auto. Der verunglückte Rechtmediziner liegt im Limbus, also in einem Zwischenreich, das sich die katholische Kirche, die ja im Münsterland sehr prägend ist, im Mittelalter ausgedacht hatte. Natürlich weiß auch der gebildete Boerne, was es mit dem Limbus auf sich hat und erklärt es dem Zuschauer als „Ort, wo die Seelen Verstorbener auf ihr künftiges Schicksal warten“.

Spielerisch-abgedreht ist der „Tatort“ aus Münster ja seit jeher gewesen, auch wenn er sich in den letzten Jahren oft in seiner Witzelsucht verfangen hat. Diesmal aber hebt er in ganz andere Sphären ab. Die Visualisierung und Ausstattung der Vorhölle gelingt Regisseur Max Zähle wirklich fantasievoll und kinoreif. Der Limbus wirkt wie eine riesige Behörde mit endlosen Gängen, selbst die Sterbenden müssen noch Formulare ausfüllen! Als Limbus-Wächter, der über die Ordnung der Dinge wacht, erscheint Boerne ausgerechnet ein schwarz uniformierter Thiel (Axel Prahl), der als „Geschäftsführer im Bereich römisch zwo“ angesprochen werden will und ihn dazu mit Leberwurstbroten und Karnevalsübertragungen quält – eine echte Vorhölle! Einziger Trost: Boerne trifft hier Ex-Kollegin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) noch mal – sie war ja im Impro-„Tatort“ vom Neujahrstag ermordet worden.

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