Indiskretionen, gezielte Bosheiten und die Untergrabung der Glaubwürdigkeit gleich mehrerer Regierungschefs: Das erwarten die Briten vom Kreuzverhör Rupert Murdochs in London. Doch nichts dergleichen. Stattdessen hat der Medienunternehmer, seit 1968 ein enormer Machtfaktor im Lande, vor einer Kommission zur Neuordnung des Pressekodex gestern gezielt seine eigene Bedeutung und den Einfluss des Konzerns News Corp heruntergespielt. „Ich habe niemals einen Premierminister um irgendetwas gebeten“, erklärte er unter Eid. „Ich bin stolz darauf, dass unsere Zeitungen nie für unsere Unternehmensinteressen geworben haben.“ Und: „Ich habe mich stets bemüht, ein Vorbild an Moral zu setzen.“Zumindest die letzte Aussage entbehrt nicht der Ironie: Rupert Murdoch, 81, ist vor den unabhängigen Untersuchungsausschuss des Richters Lord Leveson zitiert worden, weil eines seiner Blätter, die inzwischen eingestellte News of the World, im großen Stil zum kriminellen Mittel des Telefonabhörens griff, um Informationen zu beschaffen. Prominente, aber auch Verbrechens- und Terroropfer gehören zu den Geschädigten. Bis zu 800 Personen, so heißt es, könnten betroffen sein, und es gibt Hinweise, die sogar auf eine mögliche Komplizenschaft in den Reihen der Polizei deuten.

Murdoch hatte sich bereits im Juli des vergangenen Jahres vor einem Parlamentsausschuss äußern müssen, damals ging es vornehmlich darum, wie viel er von den dubiosen Methoden seiner Zeitungen wusste. Die von der Regierung eingesetzte Leveson-Kommission soll dagegen versuchen, die Verstrickungen von Politik und Medien zu beleuchten. Hier sind es nicht Abgeordnete, sondern im Kreuzverhör erfahrene Anwälte wie Robert Jay, die die Fragen stellen.

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