Architekten und Stadtplaner kritisieren den geplanten Standort des Museums.  
Foto: Herzog & de Meuro

BerlinFür das Museum der Moderne auf dem Berliner Kulturforum sind am Donnerstag vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages mindestens 364,2 Millionen Euro bewilligt worden. Nicht abgestimmt wurde über weitere 86 Millionen Euro, die für etwaige Baukostensteigerungen und Rücklagen vorgesehen sind.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und ihre Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron sind vielmehr verpflichtet, halbjährlich Rechenschaft über die Bauentwicklung abzulegen. Aller Erfahrung nach – siehe Staatsoper, Simon-Galerie, Pergamonmuseum, Alte Staatsbibliothek – schützt scharfes Controlling nicht vor Überraschungen. Auch beim Humboldt-Forum wurde Kostenkontrolle versprochen.

Nun musste der Haushaltsausschuss in seiner „Bereinigungssitzung“ noch einmal 37, 7 Millionen Euro nachschießen. Die Kostenprognose steigt damit von einst 480 Millionen Euro auf jetzt 644,2 Millionen. Diese Steigerung war zuletzt von der Schloss-Stiftung und dem zuständige Bauministerium, wie die Berliner Zeitung herausfand, regelrecht im Kleingedruckten versteckt.

Hamburg erhält 263 Mio. Euro für Kulturaufgaben 

68 Kulturbau-Millionen sind es insgesamt, die zusätzlich zu den Baugeldern der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach Berlin gehen. So gibt es für die Sanierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche einen Zuschuss über 16 Millionen Euro, 9,5 Millionen sind für das Hause of One vorgesehen, und der Berliner Friedhofsverband bekommt einen Zuschuss von 23 Millionen Euro für die Rettung historischer Grabanlagen. Fünf Millionen erhält die St. Matthäuskirche am Potsdamer Platz.

Sie ist der direkte Anlieger des Museums der Moderne – unverhohlen wird davon gesprochen, dass mit diesem Geld auch etwaige Einwände der Gemeinde gegen den Riesenbau bereinigt wurden.

„Diese Summe ist für mich eine echte Schmerzgrenze.“

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin

Neben Berlin ist übrigens Hamburg sehr gut bedacht worden, das 263 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt für Kulturaufgaben erhält – davon 53 Millionen für das Hafenmuseum. Hier hat sich der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs durchgesetzt, der eng mit Grütters zusammen arbeitet.

Und darin liegt genau das Problem dieser „Bereinigungen“: Sie sind auch ein Ergebnis von Kungelrunden. Und so kam es zu keiner wirklichen Debatte über das Projekt Museum der Moderne, obwohl zuletzt immer deutlicher wurde, dass die Kritik über die Kostenfrage hinausgeht. Architekten und Stadtplaner kritisieren vor allem den Standort, weil er die Wirkung der Neuen Nationalgalerie beschädigt und zudem alles andere als klimafreundlich geplant ist.

Denkmalpflege hat massive Bedenken gegen Museum 

Im Haushaltsausschuss geht es vor allem um politische Durchsetzbarkeit, und damit um die kulturpolitischen Überzeugungen von Monika Grütters. Sie wählte den Standort, sie setzte einst die 200 Millionen-Grenze durch wie jetzt die 364,2 Millionen. Monika Grütters hängt bis heute einem letztlich neoliberalen Modell des Museums der stiftenden Kunstsammler an und glaubt fest daran, dass Berlin Neubauten benötigt, um seine Sammlungen zum Strahlen zu bringen.

Darüber hinaus ist es Grütters gelungen, das Land Berlin zu einem Nebendarsteller zu machen, der noch einige Gartenanlagen vor der Philharmonie gestalten darf. Nicht einmal der seit Jahrzehnten geforderte Rückbau der Potsdamer Straße auf Normalformat und die Anlage der Straßenbahn werden debattiert – er würde die Bauarbeiten am Museum zusätzlich erschweren.

Die massiven Bedenken der Denkmalpflege gegen den Standort des Museums der Moderne werden erst jetzt, wo es zu spät ist, veröffentlicht. Wieder einmal wird ein Stadtgebiet dem Bund überlassen. So wie das Einheitsdenkmal, gegen das Berlin sich nicht wehrt. Oder der Radikalumbau der Hedwigskathedrale, der mit Bundesgeld gefördert wird. Auch beim Humboldt-Forum hat Berlin keine gestaltende Funktion, sondern sieht nur gierig auf das Geld vom Bund.