Das Modell des Siegerentwurfs des Basler Architekturbüros Herzog und de Meuron für das Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum wird auf einem Pressetermin im Staatlichen Institut für Musikforschung vorgestellt.
Foto: Jens Kalaene/dpa

BerlinWenn das Geld erst mal da ist, soll die Kritik schweigen. Das war der Grundton einer Veranstaltung im Foyer des Kammermusiksaals am Montagabend, in dem der Planungsstand des Projekts Museum der Moderne vorgestellt wurde. Um auch gar keinen Streit aufkommen zu lassen, saßen auf dem Podium nur solche Diskutanten, die dem Projekt von Herzog und de Meuron freundlich gegenüberstehen. Zwar seien, behauptete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, auch „die Kritiker“ des Projekts angefragt worden. Aber die hätten abgesagt. Jedenfalls konnten sie sich nicht gegen die reichlich pauschalen Vorwürfe von Karich, vom Architekten Jacques Herzog, vom Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann und oder dem Museumskurator Wulf Herzogenrath wehren, total inkompetent zu sein, falsche Zahlen zu verwenden, sich nicht mit dem Projekt beschäftigt zu haben. Es ging schlichtweg darum, die außerhalb des Saals sehr breite Opposition still zu machen.

Wohlmeinende Stimmen zum Museum der Moderne sollten überwiegen

Die gute Stimmung sollte eben nicht gestört werden. Und so gab es nach dem brillanten Vortrag von Nationalgalerie-Kustos Joachim Jäger auch keinerlei Streit mehr über die gewachsenen Platzanspüche und deren Folgen für die Kosten. Er zeigte, wie sehr die Sammlung eben eine politische sei, die aus den Kämpfen des Kalten Kriegs gewachsen sei. Sie unterscheide sich deswegen fundamental von allen anderen deutschen Museen moderner Kunst. Deswegen brauche Berlin das Museum der Moderne mit 9000 Quadratmetern Ausstellungsfläche; 2013 wollten die Staatlichen Museen sich noch mit 6000 Quadratmetern begnügen. Sei’s drum.

Die RBB-Redakteurin Claudia Henne brachte die Sache auf den Punkt: Die Platz- und damit die Standortfrage sei mit der Geldentscheidung des Bundestagshaushaltsausschusses mindestens derzeit geklärt. Man müsse nun nach vorn sehen. Und da gibt es tatsächlich noch einiges zu klären, wie gerade durch den Vortrag von Jacques Herzog deutlich wurde. Er konnte auch diejenigen faszinieren, die die Stellung des Museums mitten auf dem Kulturforum für grundfalsch halten. Er zeigte Räume und Oberflächengestaltungen in den unterschiedlichsten Formen und Materialien, weite Durchblicke, bemerkenswerte Vielfalt.

Unklar aber blieben weiter die Folgen für Betriebskosten der Museen. Schon gar nicht wurde gefragt, warum hier nicht ein auch energie- und umwelttechnisch hochmodernes Museum errichtet wird.

Leise Seufzer im Publikum nach künstlerarrogantem Satz

Immerhin seufzte das Publikum leise bei dem künstlerarroganten Satz von Jacques Herzog „Ich bin als Architekt nicht für Kosten und Termine zuständig“. Ebenfalls ausgesessen wurde die Einlassung der rürigen Kulturpublizistin Lea Rosh, dass Berlin als „Hauptstadt“ Anspruch habe auf dieses Projekt, selbst wenn es denn eine halbe Milliarde kosten werde. An dieser Stelle wäre es doch schön gewesen, wenn der Moderator Rainer Hübsch gefragt hätte, ob es gerechtfertigt sei, dass das Berliner Museum viermal mehr pro Quadratmeter kostet als die 2018 eröffnete Mannheimer Kunsthalle.

„Ich bin als Architekt nicht für Kosten und Termine zuständig.“

Jacques Herzog verteidigt seinen Entwurf des Museums der Moderne

Herzogs Charme war überwältigend – bis zu dem Moment, als aus dem Publikum angeregt wurde, doch nach Schweizer Vorbild wenigstens ein Stangenmodell im Maßstab 1:1 aufzubauen. Das, grantelte Herzog nun, könne doch die Wirkung der Architektur gar nicht illustrieren, sei auch ganz unnötig, sein Büro schaffe Bestes. Aber auch in der Schweiz geht es bei diesen Modellen nur um die Proportionen, nicht um die Details. Warum wagt man das in Berlin nicht?

Da Herzog auch wieder keine Illustration zeigte, die den Ausblick auf „die Scheune“ durch die Fenster der Neuen Nationalgalerie zeigt, blieb die Kernfrage weiter offen: Was wird aus der Neuen Nationalgalerie, wie bleiben die Neue Staatsbibliothek und die Neue Gemäldegalerie Teil des Kulturforums. Herzog versprach immerhin, den Fassaden noch „Peperoncino“ zu geben. Vor dem Würzen und Abschmecken aber kommt der erste Spatenstich. Am 3. Dezember soll er erfolgen. Ausdiskutiert ist noch nichts.