Museumsinsel: Und wo bleibt Pergamon?

Berlin - Am Sonntag schließt in Berlin eine sensationelle Ausstellung: Pergamon, die hellenistische Königsstadt am Westrand Kleinasiens, wurde erstmals zum eigenen Thema. Die Überraschung darüber war viel zu klein: 1880 begannen die Ausgrabungen im heutigen Bergama, nach der Fundteilung zwischenden preußischen Ausgräbern und dem osmanischen Staat kamen tonnenweise Architekturfragmente, Inschriften, Skulpturen, Kleinfunde, Vasen, Keramiken, Mosaiken, Werkzeuge nach Berlin.

Doch nie wurden sie bisher zum großen Bild zusammen geführt. Stattdessen wurden Skulpturen hier, Architektur dort und Kleinkunst wieder an anderer Stelle gezeigt. So erforschte lange die Klassische Archäologie ihr Material. In den vergangenen dreißig Jahren aber änderte sich die Forschung und damit auch die Museumsarbeit grundlegend: Die Kulturgeschichte als Ganzes wurde entdeckt.

Die Antiken-Ausstellung der Berliner Museen im Alten Museum ist ein Paradebeispiel für diese neue Museologie, die Antikensammlungen in Oxford, Boston, New York und Istanbul sind ähnlich gestaltet.

Fehlender Platz für Olympia-Bestände

In Berlin wäre ohne Weiteres auch auf Dauer ein grandioses echtes Pergamon-Museum möglich, das die Geschichte der Attaliden-Residenz, ihrer Bürger und Herrscher, Tempel und Märkte vom Hellenismus über die Römer und Byzantiner bis zur Eroberung durch die Seldschuken zeigt. Aber in den vor zwanzig Jahren entwickelten Planungen ist dafür kein Platz vorgesehen. Genau so wenig Platz ist in ihnen für die grandios aus 20.000 Fragmenten geretteten Ausgrabungsfunde von Tell Halaf – nur einige Skulpturen und die zudem zerstreut sollen künftig im Vorderasiatischen Museum zu sehen sein. Es fehlt der Platz für die Olympia-Bestände – kaum jemand weiß noch, dass es einst in Berlin sogar ein richtiges Olympia-Museum gab.

Das Ethnologische Museum könnte ein eigenes Museum für die Schiffahrt der Welt begründen – wenn denn im Humboldt-Forum Platz geschaffen würde. Viel zu wenig Platz ist im Bode-Museum für eine angemessene Präsentation der kostbaren byzantinischen und koptischen Bestände – was möglich wäre, zeigen Athen und New York.

Schon gar nicht wird hier mehr gesprochen vom umfassenden Mittelalter-Museum. Stattdessen will die Generaldirektion unbedingt ein Zentraldepot im publikums- und forschungsfernen Friedrichshagen bauen.

Die Staatlichen Museen wundern sich über die weltweite Aufregung über ihre Gemäldegalerie-Pläne. Ein Grund dafür ist, dass man weiß: In Berlin liegen bereits jetzt ganze Museen im Depot. Und seien sie noch so wertvoll – siehe Pergamon.