Music Board: Kampf um Anerkennung

Berlin - Der Senat hat die Popmusik entdeckt. Selbstverständlich geht es dabei nicht um kulturelle Leidenschaft, sondern um Standortpolitik und eine Branche, die mit einer guten Milliarde Euro Umsatz und reichlich zehntausend Arbeitsplätzen ein stattliches Wirtschaftspotenzial darstellt. Um dieses und damit auch die Stadtkasse zu stärken, hat man sich entschlossen, ab 2013 ein Music Board mit einem jährlichen Etat von einer Million einzurichten.

Die Institution solle vor allem die Vernetzung innerhalb der Szene und die Kommunikation der Kreativen mit der Senatsverwaltung verbessern: So fasste es grob der jugendaffine Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei und vorbereitender Koordinator, zusammen, als er im Abgeordnetenhaus eine öffentliche Anhörung zum Thema einleitete.

Diese Anhörung könnte man selbst schon als infrastrukturelle Anpassung verstehen: Man institutionalisierte nicht über die Betroffenen hinweg, sondern sammelte zunächst die Vorschläge verschiedener Lobbyisten – etwa von der Berlin Music Commission oder der vom Schokoladen Mitte vertretenen frei flottierenden Szene. Dazu gab es Raum für spontane Expertisen von Musikschaffenden, die recht zahlreich daran interessiert waren, wie man „die Stadt musikfreundlich gestalten“ könne – so der Untertitel der Veranstaltung.

Anerkennung der Künstler

Weil es zunächst ja noch um nichts ging, blieb die Stimmung meist konstruktiv. Nur Pirat Christopher Lauer beschwerte sich in einem eiligen Kurzauftritt mit Laptop gut parteipolitisch, man habe die Abgeordneten nicht über die Veranstaltung informiert – die auf der senatseigenen Webseite berlin.de allerdings gründlich angekündigt war. Sachorientierter klagten Vertreter der Jazzszene darüber, dass sie nicht in die offiziellen Vorgespräche eingebunden waren.

Nicht überraschend zeichnete sich ein Interessenkonflikt zwischen den Mittelständlern und den Vertretern der wenig vernetzten Off-Szene ab. Der gehe es an den Kragen, so Chris Keller vom Schokoladen Mitte, der dem verbreiteten Tod durch Gentrifizierung und Zwischenlösungsgeschubse gerade nochmal entgehen konnte. Die Bedeutung verwertungsfreier Räume hob wiederum ein spontaner Soziologenbeitrag hervor, denn dort agiere man im eigentlichen Sinne innovativ und daher nimbus- und letztendlich wirtschaftsstiftend.

Man ahnt, dass eine der zentralen Aufgaben des Music Boards auch darin bestehen wird, die Vertreter der Szene erst einmal ins Gespräch über ihre verschiedenen Interessen und Strategien zu bringen. Davon unabhängig ist es natürlich ein schönes Signal, dass man sie nicht mehr nur finanziell abschöpfen, sondern auch anerkennen will.