Sie sind die Champions: Die Akteure des Queen-Musicals.
Foto: Derdehmel/Urbschat

Berlin-Steglitz„Gegen das habe ich nichts in der Hand.“ Das ist ein zentraler Satz in dem Musical „Ich bin nicht Mercury“. Eine Frau verliert ihren Geliebten an einen Mann – und kann nicht mal um ihn kämpfen. Denn gegen das, wie es in dem Stück immer so schön heißt, kann sie wahrlich nichts ausrichten.

Diesen Konflikt um sexuelle Orientierung rückt der Autor und Regisseur Thomas Schendel in seinem Musical mit Songs von Queen ins Bild: Ein Stück mit den großen Songs der Band, das die Konflikte ihres einzigartigen Sängers thematisiert, der ja damals seine Bisexualität nicht öffentlich ansprach.

Großartige, stimmengewaltige Darsteller

So kann man es machen, so funktioniert ein spannendes und witziges Jukebox-Musical. Es lebt natürlich von dieser feinen Auswahl unsterblicher Queen-Titel, aber auch von einer knappen, wiewohl stimmigen Rahmenhandlung, die nur einmal ganz kurz ins Kitschige abdriftet.

Es geht um eine Cover-Band, die eigene Versionen von Queen-Songs in einem Studio aufnehmen will, sich vorher in den Proben aber in eifernde Auseinandersetzungen vertieft. Chris im Glitzerhemd, verhöhnt als Goldfasan, hat in dieser Band das Sagen. Er ist eigentlich liiert mit der schönen Sängerin Lisa, räumt dann irgendwann seine Homosexualität ein. Auch die beiden anderen Bandmitglieder steuern überraschende Lebensgeschichten bei.

Den Konflikt um sexuelle Orientierung rückt Autor und Regisseur Thomas Schendel in seinem Musical mit Songs von Queen ins Bild.
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Als das Publikum am Ende das Abends zu stürmischem Applaus aufspringt, beglückt von diesem Abend mit großartigen, stimmgewaltigen Darstellern – Thomas Borchert, Sophie Berner (alternierend: Frederike Haas), Marco Billep und Michael Ernst an der Seite von Harry Ermers Band – erinnert man sich an die Neueröffnung unter Dieter Hallervorden vor zehn Jahren. Mit welch hochmütiger Verachtung der neue Theaterdirektor, der seine erste Million mit Didis Blödelhumor verdient hat, über seine Vorgänger im Haus hergezogen war.

Gründlich geirrt

Die hatten hier Musicals ganz ähnlichen Zuschnitts wie Hallervorden heute ausprobiert, mit Enthusiasmus, Witz und klasse Künstlern. Aber anders als Hallervorden bekamen die Vorgänger – ein kleiner Ableger der Stage Entertainment – keine Subventionen vom Senat, sondern zahlten im Gegenteil 5000 Euro Miete im Monat. Es konnte nicht gut gehen.

Hallervorden investierte damals in die Renovierung und kündigte vollmundig an, hier wolle er sein Geld begraben, um „gehobenes bürgerliches Sprechtheater zu machen, keinen Boulevard, nichts Komödiantisches“. Auf keinen Fall Musical! „Dagegen hat sich der Geist des Theaters gewehrt!“ tönte er und reklamierte Respekt vor der Tradition. Na gut, das Traditionshaus hatte zuvor Heribert Sasse trotz Millionensubventionen in den Ruin geschickt.

Dieses Musical wird zum Erfolg des Theaters beitragen.
Foto: imago images/Schöning

Das wäre Hallervorden wohl nicht passiert, aber auch er hat gründlich geirrt. Verlangte – anders als versprochen – schon nach dem ersten Jahr Staatsgeld für seinen Theaterbetrieb. Konnte das Schlosspark Theater so glücklicherweise wieder etablieren. Vor allem durch diesen unterhaltenden Mix aus Boulevard, Theater und Komödiantischem. Und dieses Musical wird besonders zum Erfolg beitragen.

Ich bin nicht Mercury bis 23.2. Schlosspark Theater. Karten: 78 95 66 71 00 oder unter www.schlossparktheater.de