Die Königin der Nacht steigt am sonnigen Vormittag schadlos aus dem Taxi. Andrea Schroeder wirkt ausgeschlafen, gut gelaunt, sie ist pünktlich und gekleidet wesentlich in modisches Braun statt in das puschelig-glänzende Schwarz mit Federapplikation, das sie auf der Bühne gern trägt. Auch die recht dunkle Stimme klingt warm und freundlich und keineswegs so vamphaft verraucht oder nachttrüb verhangen, wie man es von dem Gesang ihrer beiden bisherigen Alben kennt, deren letztes, „Where the Wild Oceans End“, gerade erschienen ist.

Andrea Schroeder hat darauf scheinbar aus dem Stand eine musikalische Landschaft entworfen, die mit schwarz-romantischen Texten und einer elegant-übernächtigten Blues-Schwermut überraschend international wirkt. Zu quälend schleichenden und steigenden Gitarren singt sie von Spinnen, die über Herzen kriechen, man wird von toten Augen angestarrt und alle Liebe und Blüte steht immer schon im Zeichen von Verfall und Tod. Im Rolling Stone, der Süddeutschen Zeitung und Magazinen wie dem Stern erschienen dazu staunende Rezensionen, die ihren Gesang mit Marlene Dietrich und Nico und die Musik mit Nick Cave und Lou Reed verglichen, interessanterweise alles Künstler mit zumindest zeitweiliger Berliner Bodenhaftung, von den Einheimischen gern als Ehrenbürger eingemeindet. So wie nun auch diese Sängerin, die im ehemaligen Arbeiterbezirk und heutigen Gentrifizierungsanwärter Wedding lebt. Immerhin nahm Andrea Schroeder sogar, natürlich in den traditionsreichen Hansastudios, David Bowies deutsche Version seiner Mauerromanze „Heroes“ auf.

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