Berlin - Der Blick fällt auf eine parkplatzartige Betonfläche, von tropischen Bäumen zum Teil überragt. Die Dämmerung sinkt herab, Wolken ziehen, Vögel singen ihre letzten Lieder, der Wind rauscht in den Wipfeln und greift auch in Kleid und Haar einer Violinistin, die ausgehend von den Vogelrufen eine lange, um wenige intervallische Konstellationen kreisende Improvisation spielt.

Als Hörer sind wir, das sagt die Rückenansicht der Musikerin, weniger eingeladen als geduldet. Die Musik scheint der Natur vorgespielt, aus ihr geboren und ihr zurückgegeben. Die filmische Dokumentation des Projekts „Earth Rhythms“ von Ayumi Paul, gedreht in einer einzigen festen Einstellung, und die Musik sind von großer Schönheit, aber einer, die sich nicht nach menschlichen Begriffen richtet. Dass am Ende, wenn die Grillen längst die Vögel abgelöst haben, alle Sichtbarkeit von der Nacht verschluckt wird, Ayumi Pauls Violine aber immer noch forttönt, ist das der einsame Rest einer Zwiesprache mit der Natur und zugleich die tönende Natur selbst – man kann es nicht mehr unterscheiden.

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