Peter Fox und die Cancel Culture: „Meine Süßen, Future is now!“

Der Berliner Musiker Peter Fox muss sich der kulturellen Aneignung verdächtigen lassen. Überraschend ist das alles nicht mehr.

Peter Fox: kaum wieder da, schon verbannt. 
Peter Fox: kaum wieder da, schon verbannt. dpa

Fast 14 Jahre sind vergangen, seit der Berliner Musiker und Sänger der Band Seeed, Peter Fox, sein letztes Soloalbum herausgebracht hat: „Stadtaffe“ mit den Hits „Haus am See“ und „Schwarz zu Blau“ war ein Riesenerfolg und hat sich fast anderthalb Millionen mal verkauft. Selten hat ein Song Berlin und diese Zeit so toll beschrieben wie „Schwarz zu Blau“. 

Versäumt, die Stars des Trends zu erwähnen

Vergangene Woche dann erschien Fox’ neuer Song „Zukunft Pink“. Der Jubel war groß, die Kritik zumeist happy mit dem Stück, in dem der Dancehall-Musiker Peter Fox einen rosigen Blick in die Zukunft wirft: „Alle malen schwarz / Ich seh’ die Zukunft pink / Alles wird gut, mein Kind“. Und: „Meine Süßen, Future is now!“. Abgesehen davon, dass die Lyrics zeigen, dass der 51-Jährige auf der Höhe der Zeit ist und sich eingehend mit ihr auseinandersetzt, wirkt der Song etwas altbacken, ist aber trotzdem catchy.

Der Zeitgeist holte dann aber auch Peter Fox, bislang ideologisch über jeden Zweifel erhaben, recht schnell ein: Fox habe sich in seinem neuen Song eindeutig beim südafrikanischen Amapiano bedient, einem Amalgam verschiedener Sounds von House über Jazz bis Downbeat.

Der Musiker habe es indes versäumt, die Stars dieses Trends zu erwähnen, seine Inspiration im Dunkeln gelassen. Peter Fox würde sich also mit Amapiano eine goldene Nase verdienen, während Musiker wie Semi Tee oder Moonchild Sanelly hier weiterhin unbekannt blieben. Also ein klassischer Fall von kultureller Ausbeutung des globalen Südens?

Dass Fox’ Song vielleicht eine Art des Beifalls für den südafrikanischen Trend sein könnte, eine Verbeugung und Bewunderung, wurde in keiner Sekunde auch nur im Ansatz mitgedacht. Nein, dem Sänger wurde sofort die falsche Gesinnung unterstellt. Das ist Cancel Culture in Reinform, und der Musiker Peter Fox findet sich aus dem Stand heraus in einer Position wieder, in der er sich nur noch rechtfertigen kann. Denn bei solchen Vorwürfen ist alles andere ja quasi unmöglich; die Rolle des Guten geht hierbei immer automatisch an den, der die Vorwürfe vorbringt.

Am Ende dieser Entwicklung wird Kunst so angstbesetzt sein, dass sie von vorne herein jede Konfrontation vermeidet. Und dann ist es auch nur noch ein kleiner Schritt zum Totalitarismus.