Berlin - Einer der besten Shows, die Kala Brisella gespielt haben, war 2017 auf dem Torstraßen Festival. Der Club Bassy war so voll, wie man es sich seit der Pandemie kaum noch vorstellen kann – der Schweiß tropfte aus gefühlt jeder Körperritze, die Instrumente rauschten und dröhnten, und die Texte von Sänger Jochen Haker hatten etwas Rebellisches. Man wurde das Gefühl nicht los, dass Berlin mit dem Post-Punk-Trio eine Antwort auf die aufstrebende Punkszene im Südwesten Deutschlands gefunden hat.

Rund vier Jahre und zwei Alben später haben Kala Brisella am Dienstagabend eine Show im Kesselhaus gespielt, um ihr drittes Album „Lost In Labour“ vorzustellen, und um mit viel Energie an frühere Konzerte anzuschließen. Es ist eine der ersten Veranstaltungen, bei denen das Publikum wieder stehen darf. Mit der Schlagzeugerin Anja Müller, dem Bassisten Dennis Deter sowie einem befreundeten Gitarristen stehen sie auf der Bühne. Die rund 100 Zuschauer wackeln ein wenig in der großen Halle, die sonst zehnmal so viele Leute fasst. Schweiß kann dadurch nicht wirklich entstehen, Pogen getrauen sich die Anwesenden bei der 3G-Regel nicht. Die Motivation auf der Bühne ist dennoch ansteckend.

Wegbeamen aus einer schreienden Welt

Bei ihrem Song „Dark Star“ wechseln Haker und Müller etwa die Strophen anders ab als auf dem Album, was eine neue Dynamik bringt: Die hohe Stimme Müllers und der kratzige Gesang Hakers gleiten wie eine Sternschnuppe durch die verträumte Indie-Rock-Galaxie. Und eines ihrer besten neuen Lieder, „Hörst Du“, wird schnoddriger an den Gitarren gespielt und lässt mit Zeilen wie „Hörst du, die Welt, die schreit“,  stellenweise sogar an Tocotronic denken.

Kala Brisella, die sich an einem Theater zusammenfanden und später nach einer Pizzeria benannt haben, sind damit fast ein wenig softer geworden. Doch das fair zu beurteilen, ist womöglich ein Konzertrahmen nötig, wie wir ihn einst kannten. Für diesen Abend haben sie es mit über zehn Liedern letztlich geschafft, sich aus einer schreienden Welt wegzubeamen.