Berlin - Ein Abend mit Brandt Brauer Frick zu beschreiben, ist, als wolle man von der letzten Partynacht berichten: Man fühlt sich immer noch berauscht, ein paar Einzelheiten sind verschwommen. Anders als im Club liegt es im Konzerthaus am Freitag aber nicht daran, dass es zu viel Alkohol gibt (tatsächlich sind aufgrund der strengen Hygienemaßnahmen weder eine Pause noch Getränke möglich). Es ist eher der Clubmusik zu verdanken, die das zehnköpfige Berliner Ensemble mit Wucht präsentiert.

Man muss genau hinhören, um die schnellen Taktwechsel verfolgen und die eingearbeiteten Soli sofort wahrnehmen zu können. Auf den ersten Blick mag das überraschend sein, so ist elektronische Musik in fast jedem Radiosender, Kaufhaus oder Club zu finden. Das Ensemble Brandt Brauer Frick bedient, abgesehen von einem Synthesizer, allerdings nur analoge Instrumente: ein Klavier, eine Tuba, eine Violine, ein Violoncello, mehrere Schlagwerke und eine Harfe. Wer folglich wissen will, wie technoide Töne mit wenig Technik entstehen, ist einerseits in einer Art Dauerkonzentration, anderseits kann man bei neunminütigen Liedern wie „Bop“ dann nicht anders, als sich der Musik hinzugeben und die Gedanken fließen zu lassen.

Neue EP „3535 Memory“ erscheint im September

Genau dadurch wurde die Gruppe von Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick bekannt. Nach dem Beginn 2008 als Trio transformierten sie sich zwei Jahre später zum Ensemble, das Auftritte im Berghain, in der Deutschen Oper sowie auf dem amerikanischen Musikfestival Coachella hat. Die Show im Konzerthaus ist nun die erste seit einem Livestream im letzten November, wie Pianist Paul Frick auf der Bühne erzählt. Im Rahmen der senatsgeförderten Initiative „Freie Räume für Freie Szene“ wurden sie als eines von elf freien Ensembles ausgewählt, die mietfrei im Konzerthaus auftreten dürfen und so alle Ticketeinnahmen erhalten.

Leider sind jedoch nicht alle 500 freien Plätze im Großen Saal belegt. Am Eingang vermutet man, dass grob über 200 Gäste gekommen sind, im Saal sieht es trotz Mindestabständen ein wenig voller aus. Das kann aber auch an einigen Zuschauern liegen, die jubeln, nicken und ein wenig tanzen. Brandt Brauer Frick spielen mittlerweile ihr bekanntes Stück „Ocean Drive“, das im Juli in einer weiteren Live-Version erscheinen und im September auf der neuen EP „3535 Memory“ enthalten sein wird. In dem Track zupfen und ziehen die Violinistinnen an den Saiten, der Posaunist schlägt auf den Hals seines Instruments und Schlagzeuger und Pianist treiben sich wie in einer Verfolgungsjagd an. Würden sie nicht zwischendrin die Notenblätter wegwerfen, würde man vergessen, dass es komponierte und nicht improvisierte Musik ist. Letztlich kann man ihnen nur vorwerfen, dass sie nicht mal spontan einen falschen Ton zulassen. Aber wie es bei einer Clubnacht so ist, hat man diesen Teil vielleicht vergessen.