Berlin - Die MaerzMusik fiel im vergangenen Jahr komplett aus, in diesem Jahr findet sie im Netz statt. Der Künstlerische Leiter Berno Odo Polzer behält seine Konzeption dieses „Festivals für Zeitfragen“ bei, verzichtet allerdings keineswegs auf zeitgeisthechelndes Um-die-Musik-Herumreden. Wie öde etwa ist das Gespräch, das er mit Eléonore Huisse und François Bonnet über ihren informativen Film über die Komponistin und Elektronik-Pionierin Éliane Radigue führt! Näher als an den Begriff „Spiritualität“ wagt sich das Gespräch nicht an diese Musik heran.

Éliane Radigue stellt sich ein kompositorisch interessantes Problem: Wie gerät der Stillstand in Bewegung? In ihrer Musik geschieht auf weite Strecken nichts – in der aus dem Zeiss-Planetarium gestreamten „Trilogie de la Mort“ drei Stunden lang –, trotzdem oszilliert sie geheimnisvoll. Es entsteht eine Musik, von der man sich auch abwenden kann wie von der Aussicht auf die Natur: Mag sein, dass sich unter der wandernden Sonne die Landschaft irgendwann anders darstellt, so wie sich ein Akkord oder ein Klangfeld auch in Radigues Musik ändern kann – aber zugleich sind derlei Veränderungen auch nicht sehr bedeutend. Die Musik nimmt ein Maß an, das übermenschlich wirkt, sie ist langgezogen und vibriert rasch, sie enthält keine aufgesetzte Botschaft mehr, sie belohnt Konzentration nicht, sie ist da und entzieht sich – und darin erfährt man Musik durchaus noch einmal grundlegend neu.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.