Berlin - Es ist Winter an der Rummelsburger Bucht. Auf einer schneebedeckten Eisfläche bewegen sich Menschen wie kleine Punkte, ihre Silhouetten verschwimmen, bilden Schwarz-Weiß-Kontraste vor der Skyline, die Kamera macht scheinbar wieder und wieder den gleichen Schwenk. Zu diesen Bildern sind schleppende Metal-Akkorde zu hören, dann setzt ein tiefer und irgendwie auch warmer Gesang ein: „You glow with a luminous rot/ you grow with a mysterious rot“, singt Aidan Baker mit dunklem Stimmtimbre.

Das Berliner Duo Nadja, bestehend aus Baker und seiner Partnerin Leah Buckareff, hat diese Winterlandschaft vor einigen Monaten eingefangen und für den Videoclip zum Song „Luminous Rot“ verwendet, dem Titeltrack ihres neuen Albums. Die Bilder, wie sie sich übereinanderschichten und ineinanderschieben, wie sie rückwärts und vorwärts laufen, vermitteln einen guten Eindruck von der Ästhetik der Band: Auch Gitarren und Schlagzeug mäandern oft vor sich hin, treten auf der Stelle, Parts wiederholen sich. Kontemplative Bilder, kontemplative Sounds.

Baker und Buckareff, beide Kanadier, haben 2005 in Toronto begonnen, zusammen Musik zu machen, leben aber seit vielen Jahren in Berlin. Im internationalen Underground sind sie bestens bekannt und vernetzt, die Band steht jedoch nicht gerade für Musik, die irgendwie mainstreamfähig wäre. In ihrem Sound vereinen Nadja Stile wie Ambient, Drone, Doom, Shoegazer und Metal. Sie greifen damit auf eine Klangästhetik zurück, die Gruppen wie Sunn o))) oder Earth in den Neunzigern begründet haben. Schwere Gitarren, wummernde Töne in langsamem Tempo. Meditativer Metal.

„Luminous Rot“ ist ein Highlight

Nadja haben in all den Jahren mehr als 20 Alben veröffentlicht, zudem hat Baker noch ein nahezu unüberschaubares Werk als Solomusiker und etliche Projekte. Der Bandname „Nadja“ bezieht sich übrigens auf Bakers Vornamen, der von hinten gelesen „Nadia“ ergäbe, zugleich aber auf den gleichnamigen Roman des Surrealisten André Breton und einen Arthouse-Vampirfilm.

„Luminous Rot“ ist ein echtes Highlight der beiden. Das liegt zum einen an der Produktion dieser sechs überwiegend sehr langen Stücke: Die Gitarren sind etwa so abgemischt, dass man sie manchmal kaum von Synthesizern unterscheiden kann. Zum anderen ist „Luminous Rot“ ein ziemlich zugängliches Nadja-Werk. Es sind klare Songstrukturen erkennbar, beim Titelsong schält sich gar ein Refrain raus, ebenso beim tollen Zwölfminüter „Cuts On Your Hands“. Auf früheren Alben war das Duo teilweise experimenteller unterwegs.

Für das nächste Video (zum Song „Starres“) haben Baker und Buckareff ihre Berlin-Expedition fortgesetzt – diesmal haben sie das Video auf der Fischerinsel aufgenommen.

Nadja: „Luminous Rot“ (Southern Lord Recordings) ist ab dem 21. Mai erhältlich.