„Beste Band der Welt“ ist ein bemerkenswertes Lob für eine Band ohne zehnstellige Klickzahlen und noch bevor das erste Album raus ist. Verliehen wurde der Titel dem Londoner Septett Black Country, New Road (kurz: BCNR) vom renommierten britischen Onlinemagazin The Quietus; ungefähr nachgezogen haben der NME, für den sie die „prestigereichste neue Band“ sind und der Guardian, dessen Kitty Empire ein Konzert der Band „irgendwie triumphal“ fand.

Wo nun das Debüt unter dem nüchtern korrekten Titel „For The First Time“ vorliegt, fällt erst mal auf, dass es sich tatsächlich um eine eindrücklich, ungewöhnliche und großartig neue Art von Indierock handelt: Er klingt wie eine freihändig gesammelte und aufgekratzt kommentierte Playlist aus Fusionjazz, altersdiversem Artrock und Ideen aus Nah- und Fernost – die beherzt zur Explosion gebracht wird.

Vorläufig könnte man ihren Sound also als Post-Rock beschreiben. Durch den Hintergrund ziehen sich durchaus die entsprechenden Ideen aus den Neunzigern, von Bands wie den jazzig bis metallisch verschrammten Slint aus den USA oder den kanadischen Godspeed You Black Emperor, die ihre Stücke aus Überdruss an festen Songformen vor allem durch dynamisch-atmosphärische Veränderungen voranbrachten. Vordergründiger verbindet BCNR nicht nur die Jugend – sie sind alle um die 20 – mit britischen Kollegen wie Black Midi, dem letzten Post-Rock-Hype von der Insel. Auch sie wirken im Dunstbereich des Südlondoner Windmill-Clubs, wo beide Bands auch gemeinsam als Black Midi, New Road auftreten.

BCNR singt über reiche Väter und coole Musiker 

BCNR entzieht seine Musik jedoch auf so viele Weisen und so selbstbewusst der Fixierung, dass einen das Herkunftswissen nicht weit bringt. Das gelingt durch eine vorbehaltlos kollektive Haltung, nach der, so scheint es, alle nach ihren Bedürfnissen walten und sich den Fähigkeiten gemäß einsetzen. Die Musiker und Musikerinnen kennen sich vom Studium im elitären Cambridge, sind ungefähr zu gleichen Teilen klassisch akademisch und autodidaktisch ausgebildet und kokettieren gelegentlich mit der privilegierten Herkunft.

Im zehnminütigen „Sunglasses“, repräsentatives Herzstück des Albums, hört man nach- und nebeneinander: brütend verzerrtes Dröhnen, fiepende Geräusche, klingelnd bewegte Unisono-Linien, zischelnde Drums und repetitiv stumpfes Hauen und Tuten, kantige Mathriffs, schlingernde Bratsche, Free-Jazz-Kreischen und Saxofonsäuseln. Dazu assoziiert Isaac Wood mit schnöselndem Geheul reiche Väter („leave my daddy’s job out of this“) und coole Musiker (Kanye West, Scott Walker, Richard Hell, Shellac) und schreit von Antidepressiva und Impotenz.

Das fügt sich übrigens keineswegs zusammen. Vielmehr korrespondieren die Fragmente auf geheimnisvoll logische und solidarische Weise. Und die Musiker begeistern sich mitreißend, ja irgendwie triumphal an dieser seltsamen Freundschaft der Klänge.

Black Country, New Road: „For The First Time“ (Ninja Tune/ Rough Trade)