Sasha Spielberg mag es nicht, wenn der Name ihres Vaters über Berichten steht, die von ihr handeln. Die 30-jährige Kalifornierin, die unter dem Namen Buzzy Lee Musik macht, kann verstehen, dass es eine gewisse Neugierde weckt, doch sei es ohnehin nicht so leicht, in der amerikanischen Indieszene ernst genommen zu werden. „Da interessiert es niemanden, wessen Tochter du bist“, sagt sie.

Ihr Vater ist Steven Spielberg, einer der erfolgreichsten Filmregisseure der Welt, ihre Mutter ist die Schauspielerin Kate Capshaw, die in einigen Spielberg-Filmen mitgespielt hat. Und Sasha ist eines von sieben Kindern, das seit geraumer Zeit versucht, in der Kulturbranche Fuß zu fassen – als Schauspielerin, mit modeln, malen, produzieren, schreiben, singen. Letzteres scheint der zierlichen Frau mit dem blassen Gesicht und den dunklen Haaren aber immer am wichtigsten gewesen zu sein. In ihrem Haus in Los Angeles erinnert sich Sasha daran, wie sie bereits als Kind die Musik mitdachte, wenn sie sich Filmszenen ausmalte oder Rollen nachspielte. Es dauerte einige Zeit, bis ihr klar wurde, dass bei ihr schon immer erst die Töne da waren und dann die Geschichte.

„Spoiled Love“ handelt von den letzten Beziehungen

Auf ihrem gerade erschienen Debütalbum „Spoiled Love“ ist das herauszuhören. Obwohl Sashas Stimme in den neun Stücken lauter als das Instrumentalspiel wirkt und so an eine Erzählstimme aus dem Off erinnert, ist es ein kindliches Klavierspiel, das einen aufhorchen lässt, ein Vogelzwitschern, eine Trommel, die im Takt eines Herzens schlägt. Sasha singt dabei von Liebe, die gelingt oder missglückt. Die Töne lassen erahnen, wie es ihr dabei erging. Auffallend ist, dass sie keinem derzeit üblichen Pop-Schema folgen. Es klingt, als würde das Lied dem Gefühl nacheifern – Refrain, Strophen verschwimmen.

Foto: Janell Shirtcliff
Sasha Spielberg spielt seit Jahren Klavier und singt.

Sasha erzählt im Videointerview, dass sie sich bei ihrer Produktion tatsächlich mit ihrem Seelenleben beschäftigt hat. Über Jahre hinweg habe sie an dem Album geschrieben, zwei Trennungen seien darauf verarbeitet. „Strange Town“, eines der eindringlichsten Pop-Stücke auf „Spoiled Love“, behandelt den Ort von einer der zerbrochenen Beziehungen. Eine Stadt, die auf seltsame Weise einem Märchen gleicht – mit weißem Sandstrand, schneebedeckten Gipfeln und einer Aura, die dafür sorgt, dass sie und ihr Partner sich jedes Mal vollkommen fühlen. Nur wenn sie den Ort verlassen, fangen sie wieder an zu streiten. „Strange town I guess“, sagt Sasha.

Die Art der Musik, die Erzählweise in ihren Stücken und vermutlich auch ihre hohe Stimme, verglichen Kritiker bereits mit der schwedischen Sängerin Lykke Li. Sicher ist dafür ihr Produzent Nicolás Jaar mitverantwortlich, ein gefragter Electro-Künstler, der genau weiß, wie man faszinierende Stimmungen, Melodien und Geräusche erzeugen kann. Bereits in der Vergangenheit arbeiteten die beiden Uni-Freunde unter dem Namen „Just Friends“ zusammen. Es war eines von zwei bekannten Musikprojekten, die Sasha hatte. Zusammen mit ihrem Bruder Theo war sie vor etwa zehn Jahren unter dem Alias „Wardell“ als Indie-Folk-Duo aktiv. Der große Durchbruch blieb allerdings aus. 

Wardell, Just Friends und Buzzy Lee

Tatsächlich klangen Wardell nicht anders als viele Indiebands in den Staaten, die zu der Zeit mit Folkmusik liebäugelten. Zudem sang Sasha deutlich höher und quietschender, als sie es jetzt tut. Das Projekt mit Jaar war hingegen interessant, brachte jedoch nur vier Lieder zustande. Sasha scheint sich also als Solokünstlerin gefunden zu haben – die beides mischt und ihr eigenes Tempo hat. Ihre 2018 erschienene EP „Facepaint“, die sie erstmals unter dem Namen Buzzy Lee veröffentlichte, deutete es bereits an und wurde überwiegend positiv besprochen. Der darauf enthaltene Synth-Pop-Crooner „Coolhand“ war ein kleiner Hit. Das Album „Spoiled Love“ könnte daran anknüpfen, wenn es auch weniger eingängige Songs bietet.

In Los Angeles scheint Sasha mehr an der Kunst als an Erfolg interessiert. Zum einen, weil die Eltern schon alles erreicht haben und sie es nicht muss – zum anderen, weil sie gelernt hat, wie wichtig ihr die Sache ist. „Wir wurden sehr streng erzogen“, erzählt sie über sich und ihre Geschwister. „Meinen Eltern war wichtig, dass wir gute Noten hatten, der einzige Hollywood-Glamour, den wir mitbekamen, bestand darin, dass wir zu den Verleihungen der Oscars oder Golden Globes mitdurften.“ Das war dann für Sasha, die als Jugendliche lange Zeit unter Akne litt und gegen den Schönheitsdruck ankämpfte, auch genug. Sie ist froh, dass sie mittlerweile in Los Angeles ungeschminkt verweilen und sich auf ihre Musik konzentrieren kann. 

Buzzy Lee: „Spoiled Love“ (Future Classic)