Man darf nur nicht so genau lesen, wenn man als Kritiker von Corona-Maßnahmen eine paar Aufmerksamkeitspunkte für sich gewinnen will: „Schon gehört, jetzt setzen sie bei Popkonzerten schon Corona-Spürhunde ein, und man darf nur rein, wenn man Schweißproben abgibt.“

Da schiebt sich schnell ein dystopisches Bild zusammen: Gekläff, triefende Lefzen, kurze Leinen. Und bei Schweißproben fallen mir die traurigen Regale im Stasi-Museum ein, wo ich vor langer Zeit mal ein paar Dosen mit Körpergeruchsproben gesehen zu haben glaube: so graue Kleidungsstücke, im besten Fall Socken. Spätestens bei diesem Anblick zog bei mir die Ausrede von Spitzeln nicht mehr, bei der Firma angefangen zu haben, weil man das Kundschafterabenteuer suchte. 

Aber wie so oft, wenn man genauer hinblickt, löst sich das Skandalöse der Meldung in Luft auf. Es handelt sich um das Forschungsprojekt „Back to Culture“ der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die zusammen mit städtischen Konzertveranstaltern herausfinden will, ob Hunde bei Großveranstaltungen von Nutzen sein könnten. Denn die Tiere haben, wie schon im Sommer 2020 herausgefunden wurde, die Fähigkeit, das Virus zu wittern. Nach dem einwöchigen Training identifizierten sie unter 1012 Proben von Speichel oder Atemwegssekret 94 Prozent korrekt, wie die Hannoveraner Forscher damals mitteilten. 

Nun wird bei einer vierteiligen Konzert- und Versuchsreihe mit ansteigenden Publikumszahlen und bei freiem Eintritt getestet, ob man auf diese Weise Infizierte herausflöhen kann. Am Sonntag ging es mit Fury in the Slaughterhouse los. Natürlich müssen die Teilnehmer/Konzertbesucher sich dennoch testen lassen und zwar gleich doppelt, mit einem Antigen- und einem PCR-Test. Zusätzlich lässt man sich Schweißproben aus der Armbeuge abstreichen, was weniger niesreizanregend sein dürfte als ein Popeltest. Mit den Hunden kommt es nicht zum Kontakt. Um nun herauszufinden, ob das mit den Hundenasen funktioniert, hat man positive Proben untergemischt, sie wurden alle erschnüffelt. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler konstatiert laut dpa ein weltweites Interesse an dem Projekt. Aha, weltweit? Wer wohl dahinter steckt? Wir stellen nur Fragen.