Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als ich das erste Mal Daft Punk hörte. Ich saß im Wohnzimmer vor dem Fernseher und schaute MTV. Der Sender, von dem ich glaubte, dort neue Musik entdecken zu können, die cool war. Hier gab es weniger Pop als auf VIVA und nicht so viel Werbung wie bei VIVA Zwei. Doch ich lernte schnell, dass „neu“ ein relativer Begriff ist und Musikvideos nicht nur einmal liefen, sondern bestimmte wieder und wieder.

So war es auch mit Daft Punk. Das Musikvideo zu „Around The World“ schien sich in einer Art Dauerschleife zu befinden. Jedes Mal, wenn ich auf MTV zappte, sah ich schlaksige Menschen in glitzernden Bodysuits, schwarzen Trainingsanzügen und einer Art Karnevalkostüm, das ein Skelett oder eine Mumie präsentieren sollte. Sie liefen auf einer kleinen Treppe rechts hoch und links runter. Die Treppe stand auf einem Kreis und alle bewegten sich darin. „Around the world, around the world, around the world.“ Sie taten es wie Roboter und wie die Freunde aus der Jazz-Dance-AG. Hauptsache schwungvoll, aber nicht zu sehr. Das war nicht nur sehr einprägsam, sondern nachahmbar.

Als ich am Montagabend hörte, dass sich das französische Electro-Duo Daft Punk auflöst, musste ich an diese Begegnung denken. Denn sie zeigt gut, was für eine Wirkung Daft Punk hatten. Als ich „Around The World“ auf MTV sah, hatte der Millenniumswechsel bereits stattgefunden. Der Grammy-nominierte Song, der sich die Ästhetik des Chicago-House zu eigen machte, erschien aber bereits 1997 – um 2000 veröffentlichten Daft Punk schon den Dance-Knaller „One More Time “, der ihnen den Durchbruch in Amerika verschaffte.

Nicht nur Musik, sondern ein Gesamtkunstwerk

Drei Jahre später läuft also immer noch einer ihrer ersten Hits und er ist überall zu hören: im Radiosender, im CD-Geschäft und, wie die älteren Kollegen berichten, im Club. Die Franzosen Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo, die sich hinter dem Musik-Duo und später nur noch hinter Astronauten-Kostümen verbargen, waren Stars. Ihr ganzes Auftreten und ihre kunstvollen Videos machten sie zugleich kultig. Denn hier ging es nicht nur um Musik, sondern um ein Gesamtkunstwerk.

Obwohl dieses Konzept schon von Künstlern wie Kraftwerk bekannt war und Daft Punk letztlich nie die Electronic-Szene revolutionierten, schafften sie es, Hörer abseits ihres Genres zu begeistern, Dance-Musik selbst für die HipHop-Größen Kanye West und Pharrell Williams attraktiv zu machen – Letzterer war auch auf ihrem letzten und vierten Album „Random Access Memories“ aus dem Jahr 2013 zu finden.

Ob nun wirklich Schluss ist? Ein Sprecher des Duos bestätigte dem Magazin Variety das Aus und beantwortete keine weiteren Fragen. Ein Video mit dem Titel „Epilogue“ veröffentlichten sie dann noch, um das Gesamtwerk womöglich abzuschließen. Aber wie es im Pop üblich ist, ist „Aus“ wie „neu“ ein relativer Begriff.