Was es mit dem seltsamen Lied auf sich hat, in dem David Bowie jenen Mann besingt, der die Welt verkaufte, wusste der 2015 gestorbene Popstar nach Vollendung auch nicht mehr so genau. „Ich denke“, sagte Bowie 1997 in einem Interview, „ich habe es geschrieben, weil es einen Teil von mir gab, nach dem ich suchte.“ Er halte Ausschau nach Form und Land, heißt es in „The Man Who Sold The World“ vom gleichnamigen Album Bowies, das als sein drittes 1970 erschien: „For years and years I roamed“.

Inzwischen ist die Suche abgeschlossen. Für den Erwerb der Songrechte David Bowies, der an diesem Sonnabend 75 Jahre alt geworden wäre, hat der amerikanische Verlag Warner Chappell Music laut Branchenblatt Variety 250 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt. Das Unternehmen gehört zur Warner Music Group (WMG), einem Giganten der Branche, in der man dazu übergegangen ist, sich die Songkataloge der großen Stars der Pop-Ära zu sichern. Vorbei die Zeit, in der unbedarfte Talente ihr Selbstgemachtes für ein Taschengeld und eine Flasche Whiskey verhökerten. Inzwischen wird das Geschäft von großen Finanzinvestoren angetrieben, die Musik als Wertanlage betrachten, weil immer mehr gestreamt wird, was bekannt und bewährt ist. Seither erfährt die Öffentlichkeit beinahe im Wochentakt von vollzogenen Abschlüssen in Sachen Liedrechten: Bob Dylan, Bruce Springsteen, Neil Young, Tina Turner. Die Liste ist lang und unvollständig.

Muss man bei aller Wertschätzung der Helden der eigenen Jugend da nicht um den Nachwuchs fürchten? Wer nur hört, was er schon kennt, läuft nicht nur in Geschmacksfragen Gefahr, abgehängt zu werden. Wobei Kulturpessimismus im Popgeschäft noch selten weiterhalf, zumal die großen Innovationen noch nie von den großen Plattenfirmen ausgingen, sondern eher den stillen Fricklern. Als David Bowie noch weitgehend unbekannt war, machte er sich bereits als Entdecker verdient. Zusammen mit Mick Ronson produzierte er Lou Reeds Album „Transformer“. 50 Jahre ist das jetzt her – und markiert noch immer den „Walk On The Wilde Side“.