Berlin - Er wurde mitunter als Berliner Beatnik beschrieben, und der Lebenskünstler und -bildner Robert Rutman füllte diese Rolle wohl auch gern aus. Zu seinem Unterwegssein gehörten oft ein Pfeifchen Gras und ein herzhaftes Lachen.

1931 in Berlin geboren, konnte er mit seiner jüdischen Mutter, die Marlene Dietrich persönlich gekannt hatte, in die USA emigrieren. In den Beatnik-Jahren zwischen 1955 und 1962 studierte er Kunst in New York und Mexico City.

Als junger Mann eröffnete Rutman eine Galerie, ging damit pleite, reüssierte als Bildender Künstler, der eine Stahlskulptur schuf und diese mit einem Bogen bespielte. Aus dieser Idee ging 1975 das von Rutman gegründete U.S. Steel Cello Ensemble hervor, mit dem er durch die USA und Europa tourte. Mit seinem Crossover zwischen Musik und Bildhauerei, aus dem eigenwillige Klangkörper hervorgingen, weckte er auch die Aufmerksamkeit von Künstlerkollegen wie Robert Wilson, Merce Cunningham und Wim Wenders, in dessen Film „In weiter Ferne so nah“ Rutman eine Rolle übernahm.

Im weiten Feld der Zwischennutzung

Nach dem Fall der Mauer war Robert Rutman dauerhaft in seine Geburtsstadt Berlin zurückgekehrt, wo er bald zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer künstlerischen Bohème wurde, die im weiten Feld der Zwischennutzung zu sich kam. Rutman bespielte unbehauste Orte der Stadt mit seinen kuriosen Instrumenten und nahm 1999 mit seinen Kompositionen auch am Berliner Atonal-Musikfestival teil. Zu seinen wichtigsten Kompositionswerken gehört das Stück „Dresden. Gedenken an die Zerstörung dieser Stadt“ aus dem Jahr 1995.

Wie nun bekannt wurde, ist Robert Rutman am Dienstag um 9.02 Uhr in Berlin im Alter von 90 Jahren  gestorben. „Er hat immer im hier und jetzt gelebt, niemals hat er an die zukunft gedacht, außer an eine weitere ausstellung oder das nächste konzert“ heißt es in der Abschiedsnachricht einer Freundin.