Der Berliner Produzent Oliver Marquardt legt „Der blaue Planet“ von Karat neu auf

Das Friedenslied machte vor 40 Jahren in der DDR und der BRD Karriere. Ein Wort musste damals allerdings geändert werden. Nun ist der Text originalgetreu.

Der Berliner Produzent Oliver Marquardt alias DJ Jauche
Der Berliner Produzent Oliver Marquardt alias DJ JaucheManuela Clemens

Vierzig Jahre alt ist das Album „Der blaue Planet“ der Rockgruppe Karat dieses Jahr geworden. Aufgenommen in den Amiga-Studios war es eines der erfolgreichsten, die in der DDR je erschienen sind. Das Besondere: Es kam zeitgleich auch in der Bundesrepublik heraus und reüssierte auch dort. Es war die Zeit des nuklearen Wettrüstens, der Kalte Krieg war in vollem Gange, der Song ein Friedenslied. Karat trat 1982 am Weltfriedenstag in Ost-Berlin damit auf, es war der 21. September.

„Tanzt unsere Welt mit sich selbst schon im Fieber?/ Liegt unser Glück nur im Spiel der Neutronen?/ Wird dieser Kuss und das Wort, das ich dir gestern gab/ Schon das Letzte sein?“ Auch wenn das Wort Neutronen nicht dem ursprünglichen Text entsprach – dort hatte es Dämonen geheißen, das wurde geändert – vermittelt der Song Endzeitstimmung angesichts der atomaren Bedrohung durch Mittelstreckenraketen. „Muss dieser Kuss und das Wort, was ich dir gestern gab/ Schon das Letzte sein?/ Soll unser Kind, das die Welt noch nicht kennt/ Alle Zeit ungeboren sein?“

Bei Erscheinen hat Oliver Marquardt „Der Blaue Planet“ gar nicht interessiert

Dem Berliner Produzenten Oliver Marquardt, der unter dem Namen DJ Jauche die Berliner Technoszene von Beginn an geprägt hat, ist es zu verdanken, dass es dieses Lied nun in einer tanzbaren Clubversion gibt. Obwohl das Lied ihn bei Erscheinen gar nicht interessiert hat, weil er es als Teil der vom Staat vorgeschriebenen Jugendkultur begriff. Das Interesse kam erst nach der Wende. Irgendwann hat er diesen Song gehört und dachte: Wow. Es war vor allem der Text, der ihn beeindruckte. Er hat es in der Corona-Zeit bei einem Live-Set auf dem Berliner Fernsehturm gespielt, das war im April 2021. Er kannte den Song von früher, liebt den Text und die Baseline des Stücks.

Durch Zufall kam die Band zu einem YouTube-Stream seines Auftritts und war angetan. So kam es zu der Neuauflage, für den tatsächlich alles neu produziert werden musste, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es keine Originalspur mehr gibt. Statt der Stimme des ursprünglichen Sängers Herbert Dreilich singt sein Sohn Claudius. Er trat der Band 2005 bei, nachdem sein Vater ein Jahr zuvor gestorben war. Er singt nun wie ursprünglich geplant: „Liegt unser Glück nur im Spiel der Dämonen?“ Das klingt auch heute noch oder wieder ziemlich aktuell. Es klinge wie für heute geschrieben, sagt Oliver Marquardt.