Berlin - Peter Hollinger, ein Virtuose der Schrottpercussion und Anarchoperformance, ist am 31. Mai in einer für ihn ausweglosen Situation mit 67 Jahren gestorben. Der 1954 in Zweibrücken geborene Hollinger lebte seit den 1980ern in Kreuzberg, zuerst im Kukuk, dem Kreuzberger Kulturzentrum, einem besetzten Haus mit eiskalten Proberäumen, wo er Konzerte organisierte und selbst spielte. Die letzten 35 Jahre verbrachte er in der Adalbertstraße in einer Wohnung, die er nun wegen Eigenbedarfs der Eigentümer* räumen sollte. Freunde und Unterstützer aus der Szene konnten ihm in der Corona-Zeit nicht genug beistehen, liest man in den zerknirschten Facebook-Kommentaren zu dem Nachruf eines Kollegen.

Hollinger wurde in den einschlägigen, zugegebenermaßen nie sehr weiten Kreisen berühmt und bejubelt für seine „Koffersuite“, ein mehr oder weniger halbstündiges Solo, bei dem er mit Sticks (oder Kochlöffeln) alle möglichen Alltagsgegenstände wie Töpfe, Bleche und Gongs bearbeitete, mal mit atemberaubendem, trippelnden Tempo, dann wieder zart und nah an der immer wieder zersplitternden Stille. Ein Freund erzählt in einem Facebook-Kommentar, wie Hollinger in den Cage-haften Kunstpausen, die etwa das mit ihm auftretende Improvisationsensemble Slawterhouse zu setzen pflegte, sich gern mal eine Zigarette drehte. Wie er überhaupt wenig Aufhebens um die Höhe seiner Kunst und seiner Genialität machte.

Der Kulturmanager Matthias Osterwold, langjähriger Leiter der Maerzmusik, ordnet Hollinger so ein:  „Er gehört zu den Schlagzeugern und Perkussionisten neuen Typs, die sich locker und undogmatisch zwischen Rockmusik, Free Jazz, Dancebeat, Klangexperiment und außereuropäischen Einflüssen bewegen, ohne je einen Gedanken an ihre Zugehörigkeit zu stilistischen Clans zu verschwenden, zu den eigenwilligsten Begabungen.“ Er hebt auch Hollingers Humor und Selbstironie hervor, die man aus den seltenen, nicht besonders qualitätvollen Aufnahmen durchaus heraushören kann. Man hat Berlin einmal geliebt für Leute wie Hollinger.

*In einer früheren Version war die Rede von Mietrückständen. Das war eine Falschinformation. Wir bitten um Entschuldigung.