Berlin - Es erinnert an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Jedes Jahr sucht der federführende Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit einigem Aufwand einen Song, der Deutschland beim Eurovision Song Contest möglichst erfolgreich vertritt – und am Ende dudelt einem der gleiche belanglose Einheitsbrei entgegen, den man seit zehn Jahren hört. Lieder, die man sofort wieder vergisst, weil sie für nichts stehen. Dass die Show zum deutschen ESC-Vorentscheid am Freitagabend unter dem Motto „Germany 12 Points“ stand, muss man fast schon als Hohn betrachten. Keine der sechs Nummern, die zur Wahl standen, hat auch nur ansatzweise die Chance, in Europa derart abzuräumen.

Beim ESC braucht es mehr als Seifenblasen und Kalendersprüche

Am Ende kann man mit etwas Wohlwollen konstatieren, dass mit „Rockstars“ von Malik Harris noch die modernste Popnummer des Abends gewonnen hat. Das war nicht schwer gegen harmlose Mitbewerber wie Eros Atomus, der davon sang, wie großartig es sei, am Leben zu sein. Oder die in Berlin lebende Emily Roberts, die mit dem Lied „Soap“ eine Botschaft verbinden wollte: „Wir lächeln uns durch den Schmerz und tanzen dazu!“

Um im weltgrößten Musikwettbewerb zu bestehen, braucht es mehr als Kalendersprüche und Seifenblasen auf der Bühne. Die Schuld ist nicht bei den Künstlern zu suchen, der Fehler liegt schon davor. Die ARD hat diesmal ein senderübergreifendes Prozedere installiert, erstmals waren neun Pop-Radiosender Bestandteil des Auswahlverfahrens.

Nur: Wenn Radiotauglichkeit als Kriterium herangezogen wird, ist der Weg zur Beliebigkeit kurz. Keine Frage: Nach zwei Jahren Pandemie und angesichts eines verheerenden Krieges unterliegt die leichte Unterhaltung erschwerten Bedingungen. Dennoch wäre sie gerade jetzt so wichtig – und dass man sich ihr in aller Ernsthaftigkeit widmet, ist nicht zu viel verlangt.