Worin der große Zauber des Singens von Christa Ludwig bestand, ist schwer zu sagen. Natürlich verfügte sie über eine atemberaubend schöne, für eine deutsche Sängerin ungewöhnlich sinnliche Mezzosopran-Stimme; bedeutende Kolleginnen ihres Stimmfachs wie die jüngere Brigitte Fassbaender erkannte man an bestimmten Espressivo-Manieren, Marilyn Horne an ihrer schier mystisch-abgründig timbrierten Farbe. So eindeutig war es bei Christa Ludwig nicht.

In einem Meisterkurs, den sie in Den Haag mit 88 Jahren gab – man würde sie aufgrund ihrer Lebendigkeit und Präzision höchstens für Anfang 70 halten –, fordert sie eine Sängerin auf, „ganz normal“ zu singen. Aber das heißt dann zum Beispiel: „Wenn man von der aufgehenden oder strahlenden Sonne singt, dann singt man ,o’ von ,Sonne’ hell, wenn man die Sonne von Wolken bedeckt ist oder untergeht, dann singt man es dunkel.“ Und tatsächlich: Wenn man das macht, dann klingt es „ganz normal“.

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