Berlin - Während am Haus der Kulturen (HKW) ein Gewitter vorüberzog und periphere Regenschauer auf das Publikum niedergingen, sang Ozan Ata Canani: „Vom Bosporus bis zum Rhein scheint die Sonne überall“. Der zweite Abend des auf der Dachterrasse des HKW veranstalteten Sommerfestivals 21 Sunsets war – ganz dem wechselhaften Freitagabendhimmel entsprechend – von unterschiedlichen Stimmungen durchlaufen: In der eröffnenden Lesung von Kuku Schrapnell und Elisa Aseva etwa bezeichnete Schrapnell einen Nacktbader am See als „Big Dick Foucault“, der heiter bis finstere Meditationen über Genderidentitäten und Körperwahrnehmung auslöste, während ein Text von Aseva wolkig bis scharf den Verlauf einer Liebesbeziehung beschrieb.

Kurz darauf sang der allseits beliebte smarte Indie-Chanteur Jens Friebe über Eifersucht auf Heiratende oder auch über die Unsitte des Microdosing, also kontrollierter, ganz der Selbstoptimierung unterworfener Bacchanalen. „Microdoser machen alles halb platt“, so Friebe zu einsamer Schlafzimmer-Disco-Keyboard-Untermalung. Ganz richtig! Viel zu selten wird das beunruhigende Abrücken der jungen Generation vom Lebensziel „Vollrausch und Leistungsverweigerung“ angemahnt, und kaum einer vermag eleganter zu mahnen als Friebe.

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