Berlin - Ein weiterer Sommer ohne viel Kultur scheint zu beginnen. So wird man auch dieses Jahr wieder Popkonzerte erleben, die zwar dank Bestuhlung und Abstandsregeln keinen wirklichen Sog entwickeln, aber dennoch dankbar aufgenommen werden – da man mittlerweile sogar zwei Stunden lang einer Katze beim Schnurren zuhören würde, solange dies in einem Auditorium stattfände und als Veranstaltung ausgewiesen wäre.

Immerhin besteht eine gewisse Chance, dass dies der letzte Sommer sein wird, den Konzertgänger distanziert erleben. So schienen alle 120 Besucher, die am Montagabend im Garten des Festsaal Kreuzberg zum Konzert der französischen Indie-Chanson-Künstlerin Françoiz Breut zugelassen waren, die Sonne der Hoffnung aufgehen zu spüren. Jedenfalls war so manches Lächeln zu beobachten – und das, obwohl die reale, untergehende Abendsonne dem Publikum zu Beginn der Darbietung über den etwas gefängnishofhaften Begrenzungszaun direkt ins Gesicht brannte, sodass man zunächst Mühe hatte zu sehen, was sich auf der Bühne abspielte.

Votos/Roland Owsnitzki
Françoiz Breut hauchte ins Mikrofon.

Zu hören war indes ein angenehmer Vintage-Klang aus dezentem Schlagzeug, einer mit Surf-Anleihen gespielten Gitarre und Retro-Keyboard-Sounds. Die 51-jährige Breut hauchte und kolorierte hierzu; selbstverständlich auf Französisch und Erotisches in die Poesieform gießend, wie unsere Freunde jenseits des Rheins das offenbar nach wir vor mit ungezähmtem Enthusiasmus machen. Von sich häufenden Sünden war etwa die Rede, von sich einander hingebenden Körpern!

Neuerdings elektronisch

Seit zwanzig Jahren gibt sich schon die in Brüssel lebende Künstlerin ihrer romantischen Kunst hin und wird dafür von der Fachpresse gelobt. Dass sie ihre Kunst, wie auf ihrem aktuellen Album „Flux Flou de la Foule“, neuerdings in ein elektronisches Gewand kleidet, tut ihr besonders gut – auch weil sie auf der Bühne von einer kompetenten Band vorgetragen wird wie am Montagabend.

Die drei Begleitmusiker wussten, dass sie nie zu viel spielen dürfen: Jeder Akkord und jede Note gehörten zwingend genau dorthin, wo sie erklangen. Das Ergebnis ist eine täuschend simple, zudem altbekannt wirkende Musik, bei der man sich fragt, warum sie eigentlich so gut ist. Selbst für jemanden, der wie der Autor dieses Textes, eher selten rotweinnippend bei Jacques-Brel-Abenden herumsitzt, weil enges Rumstehen, Flaschenbier und Punkrock einfach geiler für ihn sind. Françoiz Breut und Band haben mit diesem erfreulichen Konzert jedenfalls die Melancholie und Hoffnung der Stunde kristallisiert.

In den nächsten Wochen werden im und vorm Festsaal Kreuzberg bestuhlte Konzerte von Die Sterne, Masha Qrella, Ilgen-Nur und Weiteren zu sehen sein. Infos und Tickets unter: www.festsaal-kreuzberg.de