Wenn man die Musik von Greta Van Fleet hört, möchte man pusten – über die Platte, um ein wenig Staub wegzuwehen. Dabei kann man eigentlich nicht sagen, dass der progressive und vom Blues getriebene Rocksound der US-Band dreckig ist. Er klingt nur wie aus einer anderen Zeit. Dabei sind die drei Brüder Joshua, Jacob und Samuel Kiszka sowie deren Freund Daniel Wagner alle erst Anfang 20 und viel zu jung, um etwa die Ära des Classic-Rock mitbekommen zu haben, die in den Siebzigern Künstler wie Yes oder Led Zeppelin hervorbrachte. Warum sich Greta Van Fleet dennoch daran bedienen?

Samuel Kiszka hat in einem Interview mit der Badischen Zeitung gesagt, dass sie zwar große Fans der Altmeister seien, aber dass „ihr Kram in den Ohren vieler Kids nicht mehr relevant“ klinge und ihre Generation nun übernehmen würde. Alter Sound, neue Helden. Die Idee geht bisher auf.

Zeitreisen auf „The Battle At Garden's Gate“

Für ihre 2017 erschienene EP „From the Fires“ erhielten Greta Van Fleet einen Grammy, das ein Jahr später folgende Debütalbum „Anthem of the Peaceful Army“ landete weltweit in den Top 20 der Charts. Und die ersten Singles ihrer nun erscheinenden Platte „The Battle At Garden's Gate“ haben auf Youtube Abrufzahlen in Millionenhöhe. Interessant ist, dass sich die Gruppe selbst visuell von den Großmeistern inspirieren lässt. Ein Video von „Age of Machine“ zeigt Frontmann Joshua in einem weißgoldenen Overall und mit wuscheliger Mähne am Mikrofon auf einer leuchtenden Holzempore, während sich seine Kollegen gewieften Spielereien an Bass, Gitarre und Schlagzeug hingeben. Die Bildaufnahmen schwanken zwischen schwarz-weiß und farbig, die musikalische Zeitreise wird deutlich. 

Auf dem Album „The Battle At Garden's Gate“ wird sie ebenfalls erlebbar. Doch anders als auf ihren vorherigen Werken nehmen sich Greta Van Fleet deutlich mehr Zeit bei ihren zwölf neuen Stücken, in denen sie über die Welt und die Zeit philosophieren. Neben dem psychedelischen „Age of Machine“ ist etwa die Ballade „Broken Bell“ enthalten, auf dem Gitarrist Jacob ein ausgedehntes Gitarrensoli spielt. Joshuas markante Falsettstimme tritt dabei in den Hintergrund. Es ist die, die der Band Vergleiche mit Led Zeppelin einbrachte.

In Liedern wie „The Weight of Dreams“ schütteln Greta Van Fleet aber fast ganz die Ahnen ab und steigern sich neun Minuten lang in einen pulsierenden Rocksound, zu dem Joshua seine Stimme arg strapaziert. Spätestens jetzt stellt man sich vor, die Band live zu sehen. Da die meisten ihrer Altersgenossen sich überwiegend Pop, EDM oder Rap widmen, stellt Greta Van Fleet für diese auch eine willkommene Abwechslung dar. 

Greta Van Fleet: „The Battle At Garden's Gate“ (Republic / Universal Music)