Zuerst fällt sie nicht weiter auf. Wie auf den vorherigen Alben zeigt sich die amerikanische Sängerin Nandi Rose Plunkett auf dem soeben erschienenen „Mythopoetics“ zunächst zurückhaltend. Ihre von Pop, Indie und TripHop getriebene Musik wabert leise im Hintergrund. Es ist die perfekte Geräuschkulisse für ein hippes Café, in dem man mal kurz einen Blog-Eintrag schreibt, während irgendwo die Espressobohnen zerkleinert werden. Doch dann erhebt Plunkett plötzlich ihre Sopranstimme, und die wirkt ziemlich reißend, fast dringlich. „Komm ein bisschen näher, gib mir etwas, an dem ich mich festhalten kann“, ruft sie in „Swimmer“.  „Ich will für dich singen.“ Die Synthesizertöne drehen faszinierende Schnörkel, spätestens jetzt ist Plunkett ziemlich präsent.

Drei Minuten lang sinniert sie in dem Stück über Liebe und Erinnerungen. Entstanden ist es, nachdem sie ihre an Alzheimer erkrankte Tante besuchte. Ein einschneidendes Erlebnis, aber längst nicht das einzige auf ihrer fünften Platte. Mit dem Komponisten Zubin Hensler hat sie die letzten Monate isoliert im Studio verbracht. Als im TV die neusten Corona-Todeszahlen präsentiert wurden, überlegte sie, was zwischen all dem Schmerz liegt und wie es weitergehen könne. 

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