Vor ein paar Jahren beklagte Joan Baez in einem Interview, dass Bob Dylan die Autorenschaft von Liedern für sich reklamiere, die in Wahrheit Folksongs seien. „Wahrscheinlich kassiert er sogar Tantiemen dafür.“ Sie selbst trug auch nicht nur Selbstkomponiertes vor, sondern ebenso Coverversionen und Traditionals. „House of the Rising Sun“ etwa, „Virginia“ oder „Oh, Freedom“. Und es gibt sicher manche, die ihr diese Songs zuschreiben. Was die Autorenschaft angeht, gibt es bei Liedern oft dann Verwirrung, wenn der Komponist oder die Komponistin ein Lied nicht auch weithin bekannt gemacht haben, sondern das jemand anders getan hat.

Dieser Tage erreichte uns ein Leserbrief von Doris Fürstenberg, die anmerkte, dass der Klarinettist Giora Feidman irrte, indem er im Interview mit der Berliner Zeitung das Lied „Gracias a la vida“ Mercedes Sosa zuschrieb. „Das ist leider falsch. Es ist eines meiner Lieblingslieder - von Violeta Parra!“ 

Die argentinische Sängerin Mercedes Sosa hat eine Coverversion von „Gracias a la vida“ 1971 aufgenommen und auf ihrem Album „Homenaje a Violeta Parra – Hommage für Violetta Parra“ veröffentlicht. Sie hat also klargestellt, von wem das Lied kommt und sich vor seiner Komponistin verneigt. Aber erst Sosa hat das Lied in der spanischsprachigen Welt bekannt, ja berühmt gemacht, und Joan Baez wiederum tat dasselbe in den USA. Bei einem Konzert haben Baez und Sosa es sogar gemeinsam gesungen.

Die aus armen Verhältnissen stammende chilenische Sängerin und Komponistin Violeta Parra hat ihr Leben der Erforschung und Wiederbelebung der fast vergessenen chilenischen Folklore gewidmet. „Gracias a la vida“ komponierte sie im Jahr 1966, kurz bevor sie Suizid beging, da war sie noch keine 50. Es scheint, als habe sie sich mit diesem Lied vom Leben verabschieden wollen. Und es lohnt sich, ihren eigenen wunderbaren Vortrag dieses Lieds anzuhören.