„Ich bin das Problem“: Wie Taylor Swift mit 10 Songs in die Top Ten kam

Alle zehn Songs stammen von Swifts neuem Album „Midnights“. Ganz vorn steht „Anti-Hero“: ein Song, der die Stimmung der Zeit offenbar perfekt trifft.

 Taylor Swift, Antiheldin und erfolgreichste Musikerin ihrer Zeit.
Taylor Swift, Antiheldin und erfolgreichste Musikerin ihrer Zeit.AFP

Krisen, Kriege, Pandemien hin oder her. Der Popsong des Jahres 2022 handelt vom Leiden des Menschen an sich selbst. Sein Refrain lautet: „Ich bin’s, hallo, ich bin das Problem. Ich bin’s.“ Dreimal ich, einmal Problem.

Der Song kam vor knapp zwei Wochen heraus, in der ersten Woche wurde er 59,7 Millionen mal auf Streamingdiensten wie Spotify abgerufen. Allein in den USA. Er lief auch im Radio rauf und runter, der Branchendienst Billboard schätzt, dass er auf diesem altmodischen Weg 32 Millionen Mal gehört wurde. Platz eins der US-Charts. Er heißt: „Anti-Hero“.

Antiheldin, denn Taylor Swift hat den Song geschrieben. Genauso wie die neun Songs, die auf Platz zwei bis zehn der Billboard-Charts liegen. Sie füllt die Top Ten in den USA gerade ganz allein. Zehn Hits auf einen Schlag, das hat niemand vor ihr geschafft, kein Mann, keine Frau, keine Band. Alle zehn Songs sind von „Midnights“, Swifts zehntem Album; als es herauskam, brach Spotify zusammen, weil so viele Leute es sofort hören wollten.

Es ist ein neuer, gigantischer Erfolg für Swift. Sie hat ihn sich wie alle ihre Erfolge hart erarbeitet. Taylor Swift ist 32 Jahre alt, sie stammt aus einem Provinznest in Pennsylvania, das sie mit 14 verließ, um in Nashville, Tennessee, Countrysängerin zu werden. Mit 15 unterschrieb sie ihren ersten Plattenvertrag, mit 16 brachte sie ihr erstes Album heraus.

Swift hat seitdem fast alle Preise gewonnen, die sie als Sängerin und Songschreiberin gewinnen kann, viele davon immer wieder. Sie hat zwei ihrer Alben in der Pandemie noch einmal komplett neu aufgenommen, nach einem Streit mit ihrer alten Plattenfirma – und natürlich auch mit den Neuaufnahmen Rekorde gebrochen.

Sie wird älter, sie träumt schlecht

In einer Dokumentation auf Netflix kann man ihr dabei zusehen, wie sie ihre Songs schreibt, auf dem Handy und dem Klavier; wie sie um ihre Musik ringt. Und mit sich selbst. Darum geht es im Prinzip bei ihr. Sie hat Liebeskummer, sie mag ihren Körper nicht, sie ist sauer auf einen Ex. Sie macht durch, was man eben so durchmacht, und erzählt davon. Die Melodien dazu sind gut, ehrliche Popmusik.

Nun ist es, ihrem neuen Megahit „Anti-Hero“ zufolge, so: Sie wird nur älter, aber nicht klüger. Sie träumt schlecht. Sie hat manchmal das Gefühl, alle anderen seien sexy, nur sie eine Art Monster. Sie ahnt, dass es sich um verdeckten Narzissmus handeln könnte.

Das ist eine Persönlichkeitsstörung, die bei jüngeren Menschen als Diagnose für sich selbst oder andere im Trend liegt. Verdeckte Narzissten, so erfährt man auf bunten Webseiten, wirken eher schüchtern als selbstverliebt und erklären sich selbst schnell zum Opfer. „Es muss anstrengend sein, immer für die Antiheldin zu sein“, singt Taylor Swift im Song des Jahres. Millionen Menschen singen seit zwei Wochen mit. Und wissen genau, was sie meint.