Berlin - „Dr. No is back, is back, is back, back, back, back, Dr., Dr., Dr., no, no, no, is back.“ So geht es weiter und weiter und weiter. Neun Minuten lang. „No, no, no.“ Jonathan Meese ächzt die Worte wie ein Serienkiller ins Mikrofon. Hi-Hat, Hecheln, der Bass pocht. Ist das die Soundkulisse für den nächsten Horrorstreifen? Nein. Denn tatsächlich hat sich hier der deutsche Allround-Künstler Meese mit dem gebürtigen Münchner DJ Hell für ein Album zusammengetan. Es trägt den Titel „Hab keine Angst, hab keine Angst, ich bin deine Angst“ und erscheint unter dem Künstlernamen Meese X Hell.

Das erste Stück darauf heißt „Dr. No“. Eine düstere Nummer, die zwischen Dada, Techno und Deep-House schwappt. Man kann sich zu gut vorstellen, wie Hell im Trixx-Studio am Berliner Moritzplatz den Regler am Mischpult hochzog, Meese von einem Bein auf das andere hüpfte und der Plüschwauwau mit dem Kopf wackelte, während sie darüber sinnierten, wie die Rückkehr von Dr. No weitergehen könnte.

Einen Impuls hat ihnen sicher Daniel Richter gegeben. Der Maler hat das Albumcover (eine Fotocollage) entworfen und die Platte auf seinem Hamburger Label Buback Tonträger rausgebracht. Interessant ist, dass das Cover von DJ Hells letztem Album „House Music Box Past, Present, No Future“ wiederum der erste Anknüpfungspunkt für die Zusammenarbeit war. Meese kreierte es, genau genommen 60 Variationen davon. Im Gegenzug bot Hell ihm an, dass sie mal zusammen ins Studio gehen könnten.

Muttertanz und Darth Vader

Rausgekommen ist nun ein dystopisches Techno-Werk, das mit seinen wabernden Tönen und wirre Zeilen für die unruhige Pandemiezeit wie gemacht ist. Es klingt anders als Hells sexy Disco-Groove-Werke auf Gigolo Records, sein Sound ist dennoch rauszuhören und tanzbar sind die neun Lieder allemal.

„Motherdance“ oder auch Muttertanz, wie eine Darth-Vader-Stimme sagt, streift auf seinem dunklen Electrozug etwa ganz leicht Chicago und Jackin’ House. Dem Musikmagazin Groove sagte Hell, der Song sei in einer 20-minütigen Live-Performance entstanden. Fünf Minuten hat er dann daraus geschnitzt, Meeses Stimme bearbeitet, Effekte drübergelegt. Das einzige, was roh klingt, sind die Worte von Brigitte Meese. Am Ende des Titels sagt die 91-jährige Mutter von Jonathan Meese: „Das ist das Ende vom Lied“. Und es ist natürlich nicht ihr einziger Auftritt.

Foto: Jan Bauer
Familie Meese und DJ Hell im Studio.

Das ins Industrial getriebene „Power of Love“ oder das verträumte „Erzliebe“ verwandelt sie mit ihrer Altstimme in die einprägsamsten Stücke. Electro-Fans werden ihren Spaß haben. Denn egal wie oft man Meese X Hell hört, man entdeckt immer wieder ein neues Zischen, Wummern, Schlagen. „Liebe, endlich Liebe“, ruft Meese auch. Das trifft letztlich für alle Lieder zu.

Meese X Hell: „Hab keine Angst, hab keine Angst, ich bin deine Angst“ (Buback Tonträger)