Teatro La Fenice in Venedig: Schönheit, Talent und vernünftige Preise

Der Intendant des Teatro La Fenice, Fortunato Ortombina, stellte in Berlin das Programm der nächsten Spielzeit seines Opernhauses vor.

Blick in das Opernhaus Teatro La Fenice in Venedig, es zählt zu den schönsten Opernhäusern der Welt.  
Blick in das Opernhaus Teatro La Fenice in Venedig, es zählt zu den schönsten Opernhäusern der Welt. www.imago-images.de

Während im Tiergarten der Sturm die Blätter vor sich hertreibt, vermittelt die italienische Botschaft an diesem Herbstabend venezianische Heiterkeit: Botschafter Armando Varricchio hat zu einem Konzert geladen, in dessen Rahmen der Intendant und künstlerische Leiter des Teatro La Fenice, Fortunato Ortombina, das Programm des Opernhauses für die kommende Spielzeit vorstellt.

Das Konzert zeigt, dass die Oper in Italien auch ein Metier der Jugend ist. Giuseppina Bridelli und Michela Antenucci haben sich bereits einen Namen in der Alten Musik gemacht, Adolfo Corrado ist bereits ein gefragter Verdi- und Mozart-Sänger. Venedig verkörpere das Konzept Italiens, nämlich die Verbindung der „Schönheit von Orten mit dem Talent großer Künstler“, und dieses Bild wolle man auch „nach Deutschland tragen“, wie Botschafter Varrichio sagte. Er hoffe, dass das Publikum in Deutschland diese italienische Wesensart mit „Neugier, Intelligenz und Sympathie erkunden“ werde.

Das Engagement der jungen Künstler zeigt das Bestreben des Teatro La Fenice, der Oper in Venedig eine Zukunft zu geben: „Wir wollen Räume für junge Menschen schaffen, die die Oper lieben“, sagt Intendant Ortombina der Berliner Zeitung: „Die Jugend ist nicht das Publikum der Zukunft, sie ist bereits heute unser Publikum.“ Dies zeigten die Besucherstatistiken, mit neuen Formaten wie einem Neujahrs-Konzert am Markusplatz – im kommenden Jahr mit Daniel Harding als Dirigent – und Online-Angeboten wird für die traditionsreiche Oper geworben. Für eine Aufführung einer Mahler-Symphonie gab es eine Aktion „Unter 35“, wo für junge Leute neben dem Opernbesuch auch ein Fotoshooting aus dem Opernhaus organisiert wurde. Spezielle Preisangebote locken auch junge Zuschauer in die Oper von Venedig: „Jeder kann sich einen Besuch im La Fenice leisten“, sagt Ortombina. Dennoch fällt auf: „Die teuersten Karten – sie kosten 250 Euro – sind immer zuerst ausverkauft.“ Ortombina sagt, für ihn sei die Oper eine „Agora“, also ein Treffpunkt, zu dem jeder kommen könne. Man verfolge explizit ein inklusives Konzept. Dies entspreche auch der wirtschaftlichen Lage vieler Haushalte: Die Leute hätten wegen der Inflation und der hohen Energiepreise weniger Geld in den Taschen, ein Opernbesuch solle jedoch kein unerschwinglicher Luxus sein, zumal in Italien.

„Vielen ist in der Krise bewusst geworden, wie sehr ihnen die Oper fehlt“

Auch das La Fenice sah sich, wie die meisten Theater und Opernhäuser in Europa, durch die Corona-Lockdowns mit „signifikanten Verlusten“ konfrontiert, berichtet Ortombina. Acht Monate war das Haus komplett geschlossen. Erst seit November 2021 kann die Oper wieder mit Vollauslastung spielen. Ortombina: „Das war eine sehr schwere Zeit für uns, doch wie hatten immer die Unterstützung der öffentlichen Hand. Und wir haben es mit Streaming-Angeboten geschafft, den Kontakt zum Publikum zu halten.“ Der Intendant kann den harten Monaten auch etwas Positives abgewinnen: „Vielen ist in der Krise erst bewusst geworden, wie sehr ihnen die lebendige Oper fehlt.“ Das Publikum sei vollständig zurückgekommen, „und die Stimmung ist noch besser als vor der Pandemie“. Auch die internationalen Gäste kämen wieder. Ortombina sagt, dass auch wieder verstärkt Gäste aus Asien registriert würden – da kann der „schöne Ort“ Venedig vermutlich der Oper einen gewissen Schwung verleihen.

Das Teatro La Fenice eröffnet die Spielzeit am Freitag mit Giuseppe Verdis „Falstaff“. Das Programm im kommenden Jahr soll, wie immer in la Fenice, alle vier Jahrhunderte abbilden: Barock, Klassik, das 19. und das 20. Jahrhundert. Von Verdi wird es „Ernani“, „Traviata“ und die „I due Foscari“ geben. Die Barockoper ist mit Vivaldis „Orlando Furioso“ und Glucks „Orfeo“ vertreten. Die Moderne schließlich sieht mit Bruno Madernas „Satyricon “einen deutsch-italienischen Höhepunkt vor. Mit dem „Fliegendem Holländer“ unter der Leitung von Markus Stenz wird La Fenice Richard Wagner die Ehre erweisen. Venedig sei für Wagner sehr wichtig gewesen, sagt Ortombina, Wagner habe lange in der Stadt gelebt und zwei Drittel des „Tristan“ in Venedig komponiert.

Ortombina sagt, dass das Teatro La Fenice eine große Ähnlichkeit mit den deutschen Opernhäusern habe, weil es wie diese neben der Oper auch Symphoniekonzerte veranstalte. Die Zahl dieser Konzerte steigt – wohl auch, weil Konzerte weniger finanziellen Aufwand bedeuten als teure Inszenierungen und teure Schließtage vermieden werden können. Anfang Dezember wird der musikalische Leiter der Oper, Myung-Whun Chung, Gustav Mahlers Fünfte Symphonie dirigieren, ein Werk, das spätestens seit dem Film „Tod in Venedig“ mit der Stadt in Verbindung gebracht wird. Als Gastdirigenten werden unter anderem Ton Koopman und Hartmut Haenchen das Orchestra del Teatro La Fenice leiten. Höhepunkt des Ballettprogramms ist der Auftritt des Hamburg Balletts, welches John Neumeiers „La dame aux camélias“ zur Musik von Frédéric Chopin aufführen wird. Ebenfalls im Programm: Tschaikowskis „Schwanensee“, in einer Koproduktion mit dem Ballett von Monte Carlo.