Hamburg - Für eine kurze Zeit in den 70er-Jahren gehörten die verschiedenen Formen des Jazz auch in Deutschland, Ost und West, zum kulturellen Mainstream. Strenggenommen war selbst der deutsche Schlager vom Jazz dominiert. Nicht nur Paul Kuhn, Kurt Edelhagen und Max Greger waren ambitionierte Jazzer, auch Roy Black und Nana Mouskouri hatten sich zunächst in ganz anderen musikalischen Gefilden bewegt als jene, in denen ihnen später die Publikumsgunst zufiel.

Einer, der dieses Bedürfnis nach moderner Kulturerweiterung früh auch als lukratives Geschäftsfeld erkannt hatte, war der 1937 in Hamburg geborene, zum Kaufmann ausgebildete Karl Jahnke, der nun für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde.

Über 600 Konzerte pro Jahr

Seine erste Musikveranstaltung hatte Jahnke, der über den britischen Militärsender BFN musikalisch sozialisiert worden war, 1959 mit dem Jazz-Band-Ball organisiert, sein erstes offizielles Konzert war 1961 ein Auftritt des sich als Kommunisten bekennenden Liedermachers Franz-Josef Degenhardt in der Hamburger Kleinen Musikhalle.

Zum Veranstaltungsgeschick der frühen Jahre gehörte die Begabung, die eigenen Neigungen mit den Erfolgsaussichten auszubalancieren. Karsten Jahnke erkannte früh den Boom des irischen Folk und platzierte erfolgreich Konzerte der Dubliners am Markt. Seine Leidenschaft aber gehörte dem Jazz, und zu den Musikern der von ihm organisierten Erfolgstourneen gehörten bald Herbie Hancock, Dave Brubeck und Branford Marsalis. In den 70er-Jahren veranstaltete seine Konzertveranstaltung rund 600 Konzerte pro Jahr.

Die Preise

Vokal: Lucia Cadotsch, Holzblasinstrumente: Daniel Erdmann, Blechblasinstrumente: Markus Stockhausen, Piano/Keyboards: Aki Takase, Gitarre: Ronny Graupe, Bass: Eva Kruse, Schlagzeug/Perkussion: Christian Lillinger, Besondere Instrumente: Christopher Dell, Künstler des Jahres: Christian Lillinger, Band des Jahres: Philipp Gropper's PHILM, Großes Ensemble des Jahres: Andromeda Mega Express Orchestra, Blasinstrumente international: Jaimie Branch, Piano/Keyboards international: Tigran Hamasyan, Saiteninstrumente international: Wolfgang Muthspiel, Schlagzeug/Perkussion international: Brian Blade, Künstler des Jahres international: Tigran Hamasyan, Band des Jahres international: Shake Stew, Album Instrumental des Jahres: Julia Hülsmann Quartet – „Not Far From Here“, Album Vokal des Jahres: Masaa - „Irade“, Debüt-Album des Jahres: Mirna Bogdanović – „Confrontation“, Rundfunkproduktion des Jahres: Bill Laurance & WDR Big Band Cologne - „Live at the Philharmonie Cologne“, Album Instrumental des Jahres international: Carla Bley – „Life Goes On“ , Album Vokal des Jahres international: Kandace Springs – „The Women Who Raised Me“, Debüt-Album des Jahres international: Joel Ross – „KingMaker“, Club des Jahres: LOFT , Festival des Jahres: 44. Leipziger Jazztage „Transitions“, Komposition des Jahres: Florian Ross – „Stream Walk“, Arrangement des Jahres: Fabia Mantwill – „Ophelia“, Journalistische Leistung: Günther Huesmann – „Bird Lives – Zum 100. Geburtstag von Charlie Parker“, Lebenswerk: Karsten Jahnke, Sonderpreis der Jury: Jazzclub Unterfahrt

Zu den weiteren Gewinnerinnen und Gewinnern der am Donnerstagabend live in Hamburg und verschiedenen deutschen Jazzclubs ausgetragenen Veranstaltung gehören unter anderem Tigran Hamasyan, das Julia Hülsmann Quartet, Christian Lillinger und Markus Stockhausen. Die von einer unabhängigen Fachjury ausgewählten Preisträgerinnen und Preisträger erhielten in insgesamt 31 Kategorien eine Trophäe sowie ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Monika Grütters erklärte: „Der Deutsche Jazzpreis ist ein klares kulturpolitisches Bekenntnis zur Kunstform Jazz. Mit dieser Auszeichnung richten wir das Scheinwerferlicht auf die Vielfalt, Kreativität und kommunikative Kraft des Jazz.“