Berlin - Eigentlich wollte Emeka Ogboh gar nicht in die Musikbranche, er wollte bloß einen lang gehegten Wunsch realisieren und sich im Rahmen einer Pariser Ausstellung dem Medium Schallplatte widmen. Aber dann verschenkte er ein Exemplar von „Beyond The Yellow Haze“, als das Techno-Label Ostgut Ton auf ihn zukam, und erhielt so begeistertes Feedback, dass es nun als Debüt auf deren Sublabel A-ton erscheint. Als Musiker sieht sich Ogboh nicht, da er weder ausschließlich noch aus monetären Gründen komponiert. „Ich will eine alternative Hörerfahrung erschaffen und die Ohren für Lagos auf neue Art öffnen“, erzählt er uns am Telefon.

Arrangiert aus Klangeindrücken der Megacity Lagos, die Ogboh einst als Sound Artist etablierten, und elektronischen Sounds, die er mit dem Umzug nach Berlin 2014 für sich entdeckte, ist ein Album entstanden, das die Welt ins Wohnzimmer, den Taumel der Clubnächte in den lahmen Lockdown-Trott holt. Knisternd beginnt das Hörerlebnis, auf dem Obgoh Alltagsgeräusche wie Gerede, Gehupe und Türenschlagen mit synthetischen Elementen verschränkt, bis ihre Unterschiede in einem polyrhythmischen Ganzen aufgehen. Wobei Ogboh nicht mehr von Geräuschen spricht. Für den ausgebildeten Grafikdesigner ist seit einem Medien-Workshop im ägyptischen Fayoum alles nur noch Klang. Zurück in Lagos zog er los, um die überwältigende Gestalt der Über-20-Millionen-Stadt in Field Recordings und Videoaufnahmen festzuhalten. Nicht nur die internationale Kunstszene fand daran Gefallen, auch Nigerianer in der Diaspora entdeckten ihre Heimat darin neu.

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