Vor zwei Wochen noch saß man in der Komischen Oper, das Haus mit seinen 1200 Plätzen voll besetzt, kein Maskenzwang mehr. Alles schien gut. Am Wochenende dann die Absage eines Konzerts des Freiburger Barockorchesters in der Philharmonie, nicht mal eine Woche nachdem Mick Jagger wegen Corona ein paar Auftritte der Rolling Stones in Europa ausfallen lassen musste, wenn auch nicht in Berlin.

Die Formulierungen klingen so scheußlich vertraut: Mit großem Bedauern müssen wir (….) absagen … Trotz engmaschiger PCR-Testung, einem strikten Hygienekonzept und einer vollständigen Grundimmunisierung der Teilnehmenden konnte sich das Corona-Virus (….) ausbreiten. Da die Sicherheit des Publikums sowie der Musikerinnen und Musiker für uns höchste Priorität hat, sehen wir uns gezwungen … Wir versichern Ihnen, dass uns diese Entscheidung nicht leichtgefallen ist …“ – Von steigenden Fallzahlen, teils schweren Infektionsverläufen und Verantwortung ist noch die Rede. Ein frustrierendes Déjà-vu. Geht das jetzt wieder von vorn los?

Kann man die Fête de la Musique noch genießen?

Und das zu einem Zeitpunkt, an dem gerade in Berlin die Rückkehr der Kultur gefeiert wird. Am Wochenende hat der Berliner Kultursommer begonnen, mit dem die Stadt nach zwei harten Corona-Jahren zurück zu einem Wir-Gefühl in der Kultur will. Bis Mitte September geht das Festival, das die Berliner in der ganzen Stadt mit Kunst, Theater und Musik erfreuen möchte: Umsonst und – zum Glück – draußen, heißt das Motto. Doch gleichzeitig schießen die Corona-Zahlen in die Höhe. Man kann angesichts der Inzidenzen die Menschenmengen, wie sie etwa am Dienstag bei der Fête de la Musique zu erwarten sind, gar nicht mehr wirklich genießen. Wie gemein!

In der Kulturbranche fehlt Personal – eine Corona-Folge

Coronabedingte Ausfälle in der Kulturbranche gibt es aber nicht nur aufgrund von Neuinfektionen. Die Branche leidet genau wie die Gastronomie an Personalmangel, der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hat es zur Eröffnung des Kultursommers angesprochen. Es fehlt an Technikern, Beleuchtern, Leuten im Catering oder einfach Busfahrern. Weil solche Leute nicht ausreichend vorhanden sind, und zum Beispiel Till Lindemann keine Lust hat, eine Show abzuliefern, die nicht perfekt ist, hat er seine Teilnahme am Wacken Open Air im August abgesagt. Man könnte es so ausdrücken: Die Kulturbranche leidet noch an Long Covid und zugleich droht ihr eine Neuinfektion.