Berlin - Die Uraufführung von Carl Maria von Webers „Freischütz“ vor 200 Jahren – am 18. Juni 1821 – im heute „Konzerthaus“ genannten Königlichen Schauspielhaus, war ein kulturelles Ereignis. Grämte man sich nach dem ersten Akt noch über zu wenig Frauenstimmen, eroberte das Stück spätestens mit dem Jungfern- und dem Jägerchor sein Publikum. Heinrich Heine zufolge konnte man kaum durch Berlin gehen, ohne an jeder Ecke irgendeine „Freischütz“-Melodie zu hören.

Der „Freischütz“ gilt als erste romantische deutsche Oper – richtig wäre: erfolgreiche deutsche romantische Oper, und für den Erfolg ist das Deutsche und Romantische weniger wichtig als die zündenden Melodien, die überzeugende Gestaltung einer Geisterszene in der Wolfsschlucht sowie der vielfältige Geschlechterdiskurs. Ist ein Mann erst ein Mann, wenn er richtig schießen kann? Und ist die wahre Frau dem Manne hörig wie Agathe oder sexuell selbstbestimmt wie Ännchen? Webers Erfolgsstück verwies Opern des gleichen Genres auf Fußnotenrang, seien es Vorläufer von E. T. A. Hoffmann oder Louis Spohr oder Nachfolger von Heinrich Marschner. Erst Wagner vermochte mit dem „Fliegenden Holländer“ ein ähnlich konstruiertes Stück mit noch höherer Schlagkraft zu schreiben und die romantische Oper auf ein neues Niveau zu bringen.

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