Berlin - Es sind vertraute Klänge, die uns ins neue Album von Marianne Faithfull führen. Weite sphärische Elektrostreicher schweben dahin, ein paar sanfte Keyboardakkorde und Klavier mischen sich hinein, sparsame Harmonien wiegen auf und ab, Vögel zwitschern. Sie erinnern nicht zufällig an die letzten Alben Nick Caves: Warren Ellis, Caves musikalischer Direktor, hat sie entworfen, Cave selbst bat dringend darum, sich zu dem recht außergewöhnlichen Werk ans Klavier setzen zu dürfen.

„She Walks in Beauty“, so der Titel, ist Faithfulls Hommage an ihre frühen Einflüsse. Nicht etwa an die jungen Rocker um die Rolling Stones, mit denen sich die 74-Jährige einst herumtrieb, mit deren „As Tears Go By“ sie 1964 vom It-Girl zum Popstar wurde. Sie rezitiert Texte von nicht weniger verwegenen Typen, von John Keats, Lord Byron, Percy Shelley, den Größen der britischen Romantik des frühen 19. Jahrhunderts. Besonders wird das Album aber weniger durch diesen hochkulturellen Ausflug einer Popikone, wobei Ellis’ elektronische Soundscapes (auch Brian Eno ist übrigens dabei) schon sehr bewusst einen anderen Ton anschlagen als vergleichbare, aber mit seriösen, also analogen Sounds vertonte Projekte. Marianne Faithfull interpretiert berühmte Gedichte aus dem Kanon, die sie seit der Schulzeit begleiten, die sie eigentlich in Oxford studieren wollte, als ihr die Sixties dazwischenkamen.

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