Sie ist sanft und soulvoll, hell und klar, und sie trägt einen fort in eine andere Welt, die Stimme von Masha Qrella. Wenn die Berliner Songwriterin etwa in „27. September“ zu einer elegischen Piano-Tonfolge die tiefblaue Melancholie besingt, die den Erzähler in dem Text heimsucht, so entwickelt das einen Sog, dem man sich schwerlich entziehen kann. „Ich habe keine Zeitung gelesen/ Ich habe keiner Frau nachgesehen/ ich hab den Briefkasten nicht geöffnet/ ich habe keinem einen Guten Tag gewünscht“, singt sie da; und es ist, als könne man die bleierne Schwere dieses Tages selber spüren.

Das Stück findet sich auf ihrem neuen Album „Woanders“. Darauf vertont Qrella (Prosa-)Gedichte des Berliner Schriftstellers Thomas Brasch (1945-2001), mit dessen Texten sie sich seit einigen Jahren beschäftigt. Der Albumtitel ist in mehrfacher Hinsicht programmatisch zu lesen: Zum einen vereint Brasch und Qrella (bürgerlich Mariana Kurella), dass sie beide in der DDR groß geworden sind – das Woanders war für beide ein Sehnsuchtsort. Brasch ging 1976 in den Westen, die in Ost-Berlin geborene und aufgewachsene Kurella war 14 Jahre alt, als die Mauer fiel – sie erlebte ihre Adoleszenz in einer neuen Stadt, einem neuen Land. Aber dieses Album sucht auch in der spätkapitalistischen Gegenwart nach einem Anderswo. Nicht zuletzt entführen die 17 Lieder einen genau dorthin: in das Woanders des Pop.

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