Schon der erste Satz in Michelle Zauners Buch berührt sofort: „Ever since my mom died, I cry in H Mart“. Zu gut kann man sich vorstellen, wie die junge Amerikanerin im Supermarkt steht, zwischen Fertignudeln und Gewürzen, und weint. Ununterbrochen. Während vermutlich an einem anderen Regal gerade ein Pärchen die letzten Zutaten für das Abendessen sucht.

Es ist 2014 und Zauners Mutter ist tot. Trotz therapeutischer Maßnahmen und monatelanger Pflege hat sie den Krebs nicht überstanden. Mit ihr hat Zauner ein liebevolles Elternteil verloren und letztlich ein Stück Heimat. Zauner ist 1989 in Seoul geboren. Ihre Mutter stammt ebenfalls aus Südkorea, ihr Vater aus den USA. Als Zauner neun Jahre alt war, ist die Familie nach Oregon gezogen, wo Zauner wie viele junge Amerikaner aufwuchs. Einen Unterschied mag es allerdings beim Essen gegeben haben: Wenn Zauners Mutter kochte, kochte sie koreanisch. „Kimchi musste perfekt sauer sein, Samgyeopsal perfekt knusprig.“ Obwohl Zauner nie richtig lernte, wie das funktionierte, wusste sie, wie es zu schmecken hatte – und das Essen auch immer etwas mit Gefühlen zu tun hat. „Meine Mom drückte damit ihre Liebe aus.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.