Berlin - Die in Berlin lebende britische Komponistin Rebecca Saunders ist beim Musikfest Berlin seit der Uraufführung ihres Joyce-Zyklus „Yes“ gut repräsentiert. Am Donnerstag spielte das Lucerne Contemporary Orchestra in der Philharmonie die deutsche Erstaufführung von „to an utterance“ für Klavier und großes Orchester, Enno Poppe dirigierte, Nicolas Hodges trat mit Schutzhandschuhen an den Flügel und stand mit zitterndem linken Arm wieder auf. Saunders verlangt ihm viel Glissando auf den Tasten und haufenweise Unterarm-Cluster ab. Hodges verbeugte sich mit vieldeutigem, dünnem Lächeln.

Saunders’ Musik klingt rau, splittrig, energetisch, körperlich, skulptural. Helmut Lachenmanns Idee eines Klangs, der von seinen Entstehungsbedingungen zeugen soll, statt das Streichen, Blasen oder Schlagen zu kaschieren, kommt einem in den Sinn. Es gibt in „to an utterance“ nach zwei Dritteln eine Stelle, in der das Klavier zu einem Dialog mit der Oboe ansetzt. Nach wenigen Tönen wird es von einer gewaltigen Steigerungswelle überschwemmt, nach deren Brechen das Klavier kadenzierend übrigbleibt. Hier bemerkt der Hörer, was er lange vermisst hat: deutliche Gliederung.

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