Als zu Beginn der 1970er-Jahre ein Mann mit sonorer Stimme über sich sang, ganz er selbst zu sein, wurde das vielfach als dominante männliche Selbstbehauptung missverstanden. Tatsächlich aber war Neil Diamonds „I am, I Said“ Ausdruck einer Identitätskrise am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Ein Mann sagt: „Ich bin“, aber er wird dabei den Eindruck nicht los, dass ihm nicht einmal der Stuhl zuhört. Warum, so hatte böse ein Kritiker gefragt, solle ein Stuhl das auch tun? Dass sich die Verzweiflung beim Hören nicht unbedingt vermittelte, hatte sehr viel mit der robusten Erscheinung zu tun, die Neil Diamond verkörperte. Die innere Zerrissenheit, von der der Song handelt, wurde angesichts der auffälligen Attraktivität des Sängers meist vernachlässigt.

Als „I am, I Said“ 1971 herauskam, war Diamond, der mit Barbra Streisand gemeinsam im Schulchor gesungen hatte, bereits ein erfolgreicher Songschreiber. Für die erste Castingband überhaupt, The Monkees, hatte er 1966 den Song „I'm A Believer“ geschrieben, ein Beatstück über die erste Liebe – der Pop der frühen Jahre war in seiner emotionalen Ausstattung oft von erstaunlicher Einfachheit und Naivität.

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