Neue Platten fürs Wochenende: Neil Young & Crazy Horse, Weyes Blood, Honey Dijon

Neil Young muss keine Gitarre auf einem Van Gogh zertrümmern. Weyes Blood ist die neue Joni Mitchell. Und die Berlinerin Honey Dijon der House-Star der Stunde.

Honey Dijon ist Resident-DJ in der Berliner Panorama Bar, die zum Berghain gehört.
Honey Dijon ist Resident-DJ in der Berliner Panorama Bar, die zum Berghain gehört.AFP/Juliene de Rosa

Honey Dijon: „Black Girl Magic“ (Classic Music Company)

Es läuft prächtig für und mit Honey Dijon: Seit Ende Oktober schmeißt sie ihre eigene Partyreihe im Berghain (genauer gesagt: in der Panorama Bar), und gerade wurde Beyoncés Album „Renaissance“, auf dem Honey Dijon zwei Tracks mit produziert hat, für acht Grammys nominiert. Und dann bringt sie selbst auch noch nach fünf Jahren „Pause“ (man muss die Anführungszeichen schon sehr fett setzen) ihr zweites eigenes Album heraus.

Darauf huldigt Honey Dijon, inzwischen heimisch in Berlin und New York, auch dem House ihrer Geburtsstadt Chicago: mit sattem Groove und starkem Sinn für Melodie. Nicht zu überhören: Es geht Honey Dijon (und ihren an die zwanzig Gästen) darum, die Wurzeln von House zu feiern, die großteils eben nicht weiß und nicht hetero waren. Großes Entertainment, das empowert.


Weyes Blood: „And In The Darkness, Hearts Aglow“ (Sub Pop/Cargo)

Wer großes klassisches Songwriting à la Joni Mitchell liebt und glaubt, daran würde unter den jüngeren Damen heutzutage allenfalls noch Lana Del Rey anknüpfen, sollte auch mal bei Weyes Blood reinlauschen. Witzigerweise hat Weyes Blood übrigens sogar auf Lana Del Reys vorletzter Platte gemeinsam mit ihr den Joni-Mitchell-Song „For Free“ gecovert.

Auf ihrer fünften Solo-Platte geht es Natalie Mering alias Weyes Blood (die sich nach dem Roman „Wise Blood“ der Autorin Flannery O’Connor benannte) bei eleganter Breitwand-Orchester-Grandezza und auch mal das Engtanzbein wachrüttelnden Yacht-Rock-Beats um ihren doppelten Pessimismus: Da hat man sich schon in seiner Entrücktheit und Entfremdung einigermaßen arrangiert mit der Welt – und dann geht die auch noch vor die Hunde. Ja, es wird sehr viel gelitten auf dieser Platte. Aber so schön klang das schon länger nicht mehr.


Neil Young & Crazy Horse: „World Record“ (Reprise Records)

Wenn die jungen Kids von Fridays for Future oder von der Letzten Generation monieren, dass weiße alte Männer ihre Welt kaputt gemacht hätten, dann haben sie die Rechnung aber ohne Neil Young gemacht: Der Kanadier, Jahrgang 1945, stand ja quasi schon immer auf der Seite der Öko-Protestierenden, schon zu Zeiten der vorvorletzten Generation.

Dass Neil Young & Crazy Horse nun erstmals von Star-Produzent Rick Rubin produziert werden, könnte eine große Sache sein, ist es am Ende aber eigentlich doch nicht: Young, der Junggebliebene, klingt wie auf seinen vorherigen Alben ohne Rubin auch: Er singt uns am Lagerfeuer von einer, ja, seiner Hippie-Liebe zu Mutter Natur, die es zu bewahren gelte. Dieser Kerl hat es offensichtlich nicht nötig, seine Gitarre auf einem Van Gogh zu zertrümmern, damit wir ihm zuhören.