Eher selten schafft es ein neu erscheinendes Jazzalbum in die breitere öffentliche Wahrnehmung – dem Trio Regener Pappik Busch dürfte es mit „Things to come“ allerdings gelingen. Mehr als an der revolutionären Strahlkraft der Musik liegt das an der Popularität der Verantwortlichen: Regener Pappik Busch sind Sven Regener und Richard Pappik, Sänger und Schlagzeuger der republikweit bekannten Formation Element of Crime, die sich für ihr Jazz-Projekt die Unterstützung des Pianisten Ekki Busch, ebenfalls ein alter Wegbegleiter der alternativen Popband, gesichert haben. Schon im vergangenen Jahr haben die drei eine erste Jazz-Platte rausgebracht, „Ask me now“, auf der sie sich bekannten Stücken von Thelonious Monk bis John Coltrane auf eigenwillig rustikale Art angenähert haben. Dieser Herangehensweise sind sie auch bei „Things to come“ treu geblieben.

Vertigo Berlin/Universal Music
Cover des Albums „Things To Come “

Sven Regener ist auch außerhalb des ergrauenden Freundeskreises der West-Berliner Hausbesetzerszene und der Zeitzeugen der Kreuzberger 80er schon seit Jahren bekannt, in erste Linie durch seine autobiografisch geprägten „Herr Lehmann“-Romane. Dieser Ruhm war schon für Element of Crime förderlich und wird nun wohl auch auf Regener Pappik Busch ausstrahlen. Ganz neu ist die Hinwendung zum Jazz zumindest für Regener nicht, kam er doch vor gut vierzig Jahren als gelernter Trompeter mit Faible für improvisierte Instrumentalmusik aus Bremen nach Berlin.

Meilensteine der Jazz-Geschichte neu interpretiert

Eröffnet wird das Album mit „Cherokee“, einem Standard, den informierte Hörer mit der Trompetenlegende Clifford Brown und seinem grandiosen Solo verbinden werden. Dass Regener Pappik Busch solchen Meilensteinen der Jazz-Geschichte nicht gerecht werden können, muss ihnen klar gewesen sein, das war offensichtlich nicht das Ziel. Die drei basteln sich die Songs so zurecht, wie es ihnen passt: Sie nehmen Tempo raus, schwächen Dynamik ab und vereinfachen komplizierte Arrangements stark. Vieles verhindert schon die Aufstellung mit Schlagzeug, Trompete und Piano: Ohne Kontrabass lassen sich die teilweise eindrücklichen Harmonien des Bebop nur erahnen. Das Ergebnis ist Jazz von Aficionados, mit begrenzten Mitteln, aber viel Spaß an der Sache.

Dazu passt die willkürlich anmutende Auswahl der Stücke: Bebop-Klassiker der 40er- und 50er-Jahre von Monk, Miles Davies und Coltrane wechseln sich ab mit Stücken wie „Girl Talk“, das Oscar Peterson in den 60ern grandios eingespielt hat, oder dem Jazz-Rock-Standard „Cold Duck Time“ von Eddie Harris, dazwischen „Turnaround“ von Free Jazzer Ornette Coleman. Das einende Element ist bei dieser Zusammenstellung dann die nicht gerade milde Mühle von Regener Pappik Busch, die die einzelnen Teile so zermahlt und vermengt, dass sie zusammen auf die Bretterbühne einer Alt-Kreuzberger Musikhalle passen.

Ekki Busch hält am Klavier alles zusammen

Während die Balladen ob des geradlinigen Schlagzeugs und Regeners teilweise wenig geschmeidigen Sounds hier leider etwas verblassen und manchmal fast an Boogie-Woogie erinnern, findet das Trio einen durchaus charmanten Weg hinein in die rockigeren Stücke: So ruckeln sie sich „Things to come“ oder „Chitlins con Carne“ von Kenny Burrell auf ihre eigene, eben rustikale Art zurecht. Zusammengehalten wird der poppige Rumpelsound der Combo dabei Stück um Stück von Ekki Buschs Klavier, dem es stets gelingt, Schlagzeug auf der einen und Trompete auf der anderen Seite nicht gänzlich entfleuchen zu lassen.

Mit der Zeit nutzt sich der eigenwillige, zackige Klang allerdings ab, sodass „Things to come“, ein mit gut 40 Minuten eigentlich kurzes Album, mitunter etwas zäh wirkt. So verständlich die Begeisterung der Musiker für die interpretierten Klassiker auch ist: Kennt man Miles Davies’ „Freddie Freeloader“ oder Thelonious Monks „Monk’s Mood“, kann man mit den Versionen des Trios nicht recht warm werden. Versöhnlicher wäre es insofern vielleicht gewesen, das Album mit dem glückselig harmonischen „Girl Talk“ enden zu lassen und sich die grobe Reminiszenz an Coltranes „Mr P.C.“ zu sparen. „Things to come“ ist schließlich ein Album, das sein Publikum dann auch eher nicht in der puristischen Jazz-Szene findet, sondern eher Fans von Element of Crime und Sven Regener ein zweites Mal mitnimmt in möglicherweise neue Gefilde.

„Things To Come“ erscheint am 27.05. bei Universal