Dass Georg Friedrich Händel mit Anfang Zwanzig nach Italien gereist ist, erweckt zunächst wenig Verwunderung: Wo, wenn nicht hier, lernte und vervollkommnete ein Musiker sein Metier? Doch Händel wusste an italienischer Musik nicht viel zu loben. Ausgebildet als Organist und Kirchenmusiker, fühlte er sich mit kontrapunktischen Wassern gewaschen, in die seine italienischen Kollegen anscheinend kaum ihren großen Zeh hineinzuhalten wagten. Es mag daher mehr der Hochmut der Jugend gewesen sein als eine autoritätsgläubige Wissbegier, die ihn nach Italien trieb: Wer es hier schafft, schafft es überall. Gleich fand Händel reiche Mäzene, die ihn beschäftigten; keiner von ihnen hatte offenbar den Eindruck, der junge Mann hätte noch viel zu lernen. Das 1707, in Händels erstem italienischen Jahr, komponierte „Dixit Dominus“ klingt nicht im mindesten nach einer Gesellenarbeit. So komponiert jemand, der seine Konkurrenz möglichst vernichtend aus dem Feld zu schlagen beabsichtigt.

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