Neue Platten fürs Wochenende: Muse, Ezra Furman, Stella Donnelly

Muse klingen nur manchmal schlimm. Ezra Furman bringt alles durcheinander. Und Stella Donnelly hilft dabei, die Tage entspannt an- und ausklingen zu lassen.

Muse: Matthew Bellamy, Dominic Howard
und Chris Wolstenholme
Muse: Matthew Bellamy, Dominic Howardund Chris WolstenholmeWarner Music

Muse: „Will Of The People“ (Warner)

Was waren das für Zeiten, als Muse 2001 mit ihrem zweiten Album „Origin Of Symmetry“ den Rock fit machten für Piano, Wurlitzer und Orgelpfeifen! Die zart krachenden Songs „New Born“ und „Bliss“ gehörten sicher zu den stärksten dieses Jahres – von dem wir damals bei Release der Platte, im März, ja noch nicht mal wissen konnten, was für eine Zeitenwende 2001 politisch werden würde. Klar war aber schon im Frühling: Das ist eine junge Band, die wirklich anders und sehr viel frischer klingt als es für Rock in England derzeit üblich war.

Auf dem nunmehr neunten Album „Will of The People“ klingen Muse in den schlimmsten Momenten mit nervtötenden Synth-und-Chor-Riffs nur noch wie die Karikatur ihrer selbst. Aber dann muss Sänger Matthew Bellamy nur kurz Heilsbotschaften wie „you will feel no pain anymore“ („Compliance“) heulen, und schon hat er einen doch wieder. „Liberation“ ist glasklar eine Hommage an Freddie Mercury und den zackigen Harmonie-Gesang von Queen. Andere Rockbands altern schlechter. Muse sind offenbar noch immer musengeküsst.


Ezra Furman: „All Of Us Flames“ (Bella Union/Pias)

Alte weiße Männer spielen gepflegt den Blues-Rock. Und junge Queers machen crazy Bedroom- HipHop-Country-Avantgarde-Glitchpop, den niemand so recht versteht außer ein paar Milliarden Teenager auf TikTok. So weit, so falsch – denn Ezra Furman bringt alles durcheinander: Die Sounds der jüdischen, bisexuellen trans Frau (und Mutter) sind sowas von Oldschool-Rock’n’Roll, dass auch Fans von Bob Dylan und Bruce Springsteen anknuspern dürften: Klassisches Great American Songwriting liefert Ezra Furman schon seit vielen Jahren.

„All Of Us Flames“ klingt so, als hätte der 1966er-„Blonde On Blonde“-Bob Dylan schon dank einer Alien-Zeitmaschine eine Ahnung davon gehabt, was Kate Bush 1985 mit „Hounds Of Love“ veranstalten würde.  Die Texte von Ezra Furman indes dürfen viele Nostalgiker vom Hocker hauen: Wie sie davon singt, dass ihre queere Girl-Gang auch mal zuschlagen müsse, wenn die queerphobe Drangsal zu schlimm würde – ja, das hören Retro-Chauvinisten sicher gar nicht gerne.


Stella Donnelly: „Flood“ (Secretly Canadian/Cargo)

Die australische Songwriterin Stella Donnelly klingt auf ihrem zweiten Album ein wenig so, als hätten Aimee Mann („Medals“) und Enya („Oh My My My“) zusammengefunden. Dieses Balladen-Album ist ein guter Soundtrack, um die Tage entspannt an- oder ausklingen zu lassen. Der warme Sopran von Stella Donnelly umarmt einen in beiden Fällen lieb.

Extra schöne Effekte: die gedoppelten Vocals in „Morning Silence“ und das wehmütige Flügelhorn in „Restricted Account“. Und sowieso sollten wir einander öfter fragen, wie die Tage der anderen waren („How Was Your Day?“) – und die Frage auch als Frage, nicht als Floskel meinen.