Platten fürs Wochenende: Bruce Springsteen, Christine and the Queens, John Moods

John Moods ist unser moody Berliner. Christine and the Queens klingt so, als hätte Céline Dion Bock auf lesbischen Indie-Rock. Und der Boss sucht seine Seele.

Christine and the Queens
Christine and the QueensPierre-Ange Carlotti

John Moods: „The Great Design“ (Mansions and Millions)

Wer ein Herz hat für wüstenwarme Synthie-Flächen und jachtrockenden Spät-70s-Midtempo-Discofox, der ist bei John Moods richtig, unserem moody Berliner. Manche kennen ihn sicher längst als Mitbegründer der Art-Pop-Band Fenster. Mit seinem Solo-Projekt hat er sich nicht nur ein Fensterlein, sondern eine gigantische Pforte aufgestoßen.

Nach dem zweiten Album „So Sweet So Nice“ (2021), das ums Sujet Sterblichkeit kreiste, geht es diesmal auf einem zarten Sound zwischen Fleetwood Mac und Soft-New-Wave um Raum und Zeit. Könnte man sich auch prima in einer melancholischen Rollschuh-Tanz-Szene in der 80s-Mystery-Serie „Stranger Things“ vorstellen.


Christine and the Queens: „Redcar les adorables étoiles (Prologue)“ (Because/Virgin/Universal)

Christine, die es schon aufs Cover des renommierten Time-Magazines schaffte, ist vielen keine Unbekannte mehr. Für ihr letztes Berlin-Konzert im Tempodrom kam man kaum an Karten. Wer sie noch nicht kennt: Christine klingt, grob gesagt, so als hätte Céline Dion plötzlich viel Bock bekommen, lesbischen Indie-Rock zu spielen, en français, bien-sûr.

Auf ihrer dritten Langspielplatte (die übrigens direkt mit einem Farewell an die Ex beginnt: „Ma bien aimée, bye bye“) gönnt uns Chris neben luftig-leichten, Air-haften Arrangements auch etwas mehr Kanten, Ecken, Abgründe und Ausraster als auf den beiden Vorgänger-LPs. C’est la vie – et le paradis.


Bruce Springsteen: „Only the Strong Survive“ (Columbia/Sony)

Naja. Kann man schon machen. Muss man aber nicht. Bruce Springsteen, der nicht nur von Barack Obama vergötterte und nach Bob Dylan womöglich größte Singer-Songwriter der USA, haut ein Soul-Cover-Album raus; samt dem im CD-Booklet formulierten, aber etwas zweifelhaften Ziel, auch ein jüngeres Publikum an die alten Motown-Klassiker heranzuführen. Mit Verlaub: Das packen die zahllosen Soul-Samples im zeitgenössischen HipHop deutlich energetischer als der Altmeister der Americana.

Natürlich ist nichts auf Springsteens Platte schlecht, hallo, er ist der Boss. Trotzdem klingt das eben (und vielleicht liegt es ja in der Natur der Sache) mehr nach 1A-, nein, nach 1B-Coverband als nach wirklichem Genius. Die Vorab-Single „Do I Love You (Indeed I Do)“, die Springsteen von Frank Wilson geborgt hat, die hat einen tollen Drive.

Bei anderen Nummern könnte man sich wünschen, der Boss hätte das Tempo etwas angekurbelt. Wobei er dafür auch nur eingeschränkt was kann: Produziert wurde das Album mit dem populärdarwinistisch klingenden Titel „Only the Strong Survive“ in erster Linie von Ron Aniello. Springsteen hat nicht mal Gitarren gespielt, nur just for fun gesungen, auch solches Material, für das ihm als Rocker eigentlich die Soul-Nuancen fehlen. Seele hat das Album trotzdem, aber eher auf dem Level eines Autofahr-Soundtracks und keiner Platte, die man unbedingt mit voller Aufmerksamkeit hören will. Dann doch lieber die Originale! Fragt sich, ob es ein Teaser oder eine Drohung ist, dass die Platte im Untertitel „Covers Vol 1“ heißt.