Nach zehn Sekunden setzt ein dumpfer, schneller Elektrobeat ein. Man hört diesen Einstieg in „Carnage“, dem neuen Album Nick Caves, mit einer gewissen Erleichterung; nicht weniger den Blues, den er dazu, begleitet von bedrohlich orchestralen Schüben, singt. Er heult wie in alten Zeiten vom Königtum im Himmel, vom Bauern auf dem Feld, vom Körper auf dem Hotelbett und der „Hand of God“ – so heißt das Lied – als warte er auf die Mississippi-Flut.

So intensiv und ans Gemüt greifend Nick Caves letzte Alben ausfielen, konnte man sich schließlich wünschen, er möge den schmerzhaften Druck aufs Herz der Hörer auch mal wieder lockern: „Ghostteen“ stand 2019 mit seinen zerstäubenden, elektronischen Wolken und Wogen deutlich unter dem Eindruck des Unfalltods seines Sohns Arthur. Im vergangenen Sommer setzte er sich zur retrospektiven Meditation in der Einsamkeit eines großen Saals ans Klavier; und später im Jahr erschienen noch die geradezu sakralen „Litanies“ des zeitgenössischen Komponisten Nicholas Lens, deren Libretto Cave geschrieben hatte.

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