Berlin - Das Album „Nevermind“ der Band Nirvana gehört zu den meistverkauften der Welt. Selbst wer die Platte nicht im Regal stehen hat, kennt wohl das ikonische Cover mit dem vier Monate alten Baby, das nackt auf einen Angelhaken zuzuschwimmen scheint, an dem ein Dollarschein hängt.

Die Plattenfirma hatte damals schon geahnt, dass der gut sichtbare Penis des Babys Anstoß erregen könnte. Sie ließ noch ein alternatives Cover anfertigen, entschied sich letzten Endes aber für eine unzensierte Veröffentlichung. Der Unterwasserfotograf Kirk Weddle hatte damals auf den Auslöser gedrückt, er war ein Freund der Eltern des Babys. Diese erhielten für das Foto ihres Sohnes Spencer Elden 200 Dollar. Nirvana-Sänger Kurt Cobain sagte zu, mit Elden essen zu gehen, wenn dieser alt genug dafür sei.

Heute ist Spencer Elden 30 Jahre alt und Künstler in L.A. Zu einem Essen mit dem 1994 verstorbenen Cobain ist es nie gekommen, auch die anderen Bandmitglieder lernte Elden nie kennen. Schlagzeuger Dave Grohl, heute mit den Foo Fighters erfolgreich, sagte 2013: „Wir waren an dem Tag, an dem sie das Fotoshooting machten, nicht da, also weiß ich es nicht. Ich habe ihn in Zeitschriften und so gesehen.“

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Nirvana im Jahr ihrer Gründung 1987: Dave Grohl, Kurt Cobain und Krist Novoselic (von links).

Ist es das magere Fotohonorar? Oder die mangelnde Anerkennung für einen, der als Baby zur Schau gestellt wurde, aber am Erfolg dessen, was dann folgte, nie partizipieren konnte? Jedenfalls hat Elden jetzt Schadenersatzklage gegen die Nachlassverwalter des verstorbenen Cobain und die noch lebenden Ex-Bandmitglieder eingereicht. Durch die jahrzehntelange Verwendung des Bildes fühle er sich ausgebeutet. Außerdem hätten seine Eltern nie ihre Einwilligung zur kommerziellen Verwertung des Fotos gegeben.

Doch Elden ließ sich in den vergangenen Jahren immer wieder im Pool ablichten. 2016 habe er dem Fotografen sogar angeboten, wieder nackt ins Wasser zu steigen, schreibt die New York Post. Jetzt muss sich Elden im Internet beschimpfen lassen: „Wie ich sehe, schwimmst du immer noch dem Geld hinterher“, schreibt einer bei Instagram.