Das aktuelle britische Jazzwunder beruht vor allem auf einem afrodiasporischen Drall. Wo der europäische Jazz der letzten 50 Jahre stark aus der E-und Improv-Avantgarde schöpfte, orientiert sich die aufstrebende junge Szene um Leute wie Shabaka Hutchings oder Nubiya Garcia zugleich an der US-Tradition wie den verschiedenen, danceaffinen und clubelektronischen Genres, die unter dem Einfluss der Einwanderer aus den ehemaligen britischen Kolonien entstanden.

Nubiyan Twist widmen sich dabei besonders dem Grooveaspekt. Das Tentett aus Leeds um den Produzenten und Gitarristen Tom Excell hat sich seit Bandgründung vor rund zehn Jahren einen massiven Ruf als Livemacht erarbeitet, die mit beeindruckender Dichte und Energie afrikanische, jamaikanische und (nord-)amerikanische Stile mischt. Als Konserve überzeugte das zunächst mittel. Ihr offizielles Debüt „Jungle Run“ von 2019 zeigte, wie könnerhaft die Band mit ihrem Material umging. Was im Konzert jedoch als mitreißend buntes Repertoire funktionierte, klang trotz Gastauftritten von Ethiojazz-Erfinder Mulatu Astatke und dem großen nigerianischen Drummer Tony Allen ein bisschen vitalistisch verkürzt. Wichtiger als der Flow schien, dass es amtlich dampfte - schon unterhaltsam, aber im Ganzen ein wenig folgenlos.

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